Dänemark soll Platz für mehr Windkraftanlagen an Land schaffen.
Am 18. September entschied Klima-, Energie- und Versorgungsministerin Samira Nawa, die ausgelaufene politische Vereinbarung über eine Obergrenze von 1.850 Onshore-Windkraftanlagen im Jahr 2040 nicht fortzuführen. Damit fällt eine politische Begrenzung für den Ausbau der grünen Stromproduktion weg.
Beim dänischen Wirtschaftsverband Dansk Erhverv stößt die Entscheidung auf Zustimmung. Eine Analyse des Verbands und von EA Energianalyse zeigt, dass mehr erneuerbare Energie an Land und zusätzliche Batteriespeicher die gesamte jährliche Stromrechnung um bis zu 2,8 Mrd. DKK senken könnten. Allein für die Wirtschaft könnte der Vorteil fast 1 Mrd. DKK betragen.
Mehr Windkraftanlagen stellen allerdings auch höhere Anforderungen an ein Stromnetz, das bereits heute Mühe hat, mit der Entwicklung Schritt zu halten.
- Es hilft wenig, die Obergrenze für Windkraftanlagen abzuschaffen, wenn es im Stromnetz weiterhin einen Engpass gibt. Wir müssen so schnell wie möglich wieder neue Netzanschlussvereinbarungen abschließen. Gleichzeitig müssen wir das Stromnetz schneller ausbauen und die vorhandenen Kapazitäten im bestehenden Netz deutlich besser nutzen, sagt Ulrich Bang, stellvertretender Direktor bei Dansk Erhverv.
Druck von beiden Seiten
Auf Lolland-Falster und in Südseeland geht es bei den Kapazitätsproblemen sowohl darum, grünen Strom aus der Region abzutransportieren als auch neue Unternehmen mit Strom zu versorgen.
- Es gibt Kapazitätsprobleme sowohl in Situationen, in denen Leistung in die Region importiert werden muss, als auch dann, wenn Strom aus der Region heraus transportiert werden soll, sagte Kim Willerslev Jakobsen, Geschäftsführer von Energinet Systemansvar, zuvor gegenüber FemernBusiness.
Das bedeutet, dass die große Produktion von grünem Strom in der Region nicht automatisch Kapazitäten für neue stromintensive Unternehmen schafft. Sie müssen auch dann versorgt werden können, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht. In solchen Situationen muss Strom unter anderem durch das bereits belastete Netz in Südseeland und auf Lolland-Falster transportiert werden.
Gleichzeitig wächst die Nachfrage. In Nørre Alslev plant der Ladeanbieter Milence einen öffentlich zugänglichen Ladepark für Lastwagen, während das geplante Rechenzentrum bei Rødbyhavn bei vollständigem Ausbau mehr als ein Gigawatt benötigen könnte. Zudem hat inzwischen auch ein neuer Industriepark bei Rødbyhavn grünes Licht erhalten.
Mehrere Jahre Wartezeit
Energinet erwartet, dass geplante Netzausbauten die Übertragungskapazität zwischen Lolland-Falster und Seeland ungefähr verdreifachen werden. Das sogenannte Grüne Netz soll in zwei Etappen 2029 und 2033 fertiggestellt werden.
Gleichzeitig hat Energinet deutlich gemacht, dass die regionalen Engpässe im Stromnetz noch mehrere Jahre anhalten werden. Die Regierung öffnet damit nun den Weg für zusätzliche grüne Stromproduktion, während die Infrastruktur, die den Strom in die Region hinein und aus ihr heraus transportieren soll, weiterhin ausgebaut wird.