Wenn die feste Fehmarnbeltquerung eines Tages fertiggestellt ist und einen neuen direkten Korridor zwischen Dänemark und Deutschland schafft, ist keineswegs sicher, dass Lolland-Falster zu den großen wirtschaftlichen Gewinnern gehören wird.
Denn auch wenn die feste Verbindung erhebliches Wachstumspotenzial bietet, ist weiterhin offen, auf welcher Seite der Verbindung die größten wirtschaftlichen Vorteile letztlich entstehen werden.
Fehmarn kann Unternehmen auf dänischer Seite zwar neue Märkte erschließen. Nach Ansicht von Jesper Beinov, Direktor bei SMVdanmark, setzt das jedoch voraus, dass die lokale Wirtschaft in der Lage ist, diese Chancen auch zu nutzen.
- Fehmarn soll nicht nur die Reise zwischen Kopenhagen und Hamburg verkürzen. Die Verbindung soll auch Arbeitsplätze, Investitionen und Umsätze auf Lolland-Falster und im übrigen Dänemark schaffen – und nicht zuletzt bei den lokalen kleinen und mittleren Unternehmen, sagt er.
Bereits während der Bauphase haben zahlreiche dänische Unternehmen Aufträge erhalten. Bis Juni 2025 hatten seit 2020 insgesamt 1.118 dänische und ausländische Unterauftragnehmer an dem Projekt mitgewirkt, darunter 710 dänische Unternehmen, wie Zahlen von femern.com zeigen.
Die langfristigen wirtschaftlichen Vorteile nach Fertigstellung der Verbindung sind jedoch eine andere Herausforderung.
- Wir dürfen nicht davon ausgehen, dass das Wachstum von selbst kommt. Wenn den Unternehmen Arbeitskräfte, Kapital und gute Rahmenbedingungen fehlen, besteht die Gefahr, dass der Verkehr nur durch die Region hindurchfährt, während die wirtschaftlichen Vorteile anderswo entstehen, sagt Jesper Beinov.
Er nennt unter anderem Tourismus, Lebensmittelwirtschaft, Bau sowie Transport und Logistik als Branchen, in denen die Verbindung Unternehmen auf Lolland-Falster einen leichteren Zugang zu Kunden und Geschäftspartnern verschaffen kann. Dafür sei allerdings auch eine enge Zusammenarbeit der Kommunen auf beiden Seiten des Fehmarnbelts erforderlich.
- Die kommunale Zusammenarbeit ist äußerst wichtig – sowohl zwischen Guldborgsund, Lolland und Vordingborg als auch mit den norddeutschen Kommunen. Gleichzeitig müssen die lokalen kleinen und mittleren Unternehmen bereits während der Bauphase wachsen können. Deshalb ist ihre weitere Einbindung unbedingt notwendig.
Die Alternative wäre laut Jesper Beinov, dass eine historische Investition nicht die nachhaltige Wirkung auf die Region entfaltet, die eigentlich möglich wäre.
- Wenn wir keine guten Rahmenbedingungen für die lokale Wirtschaft schaffen, bekommt Lolland-Falster mehr Verkehr, aber zu wenig dauerhaftes Wachstum. Das wäre eine enorme verpasste Chance – sowohl für die Region als auch für den Rest Dänemarks.