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Bürgermeister warnt vor Aus für Rechenzentrum

Die dänische Regierung will große Rechenzentren beim Zugang zum Stromnetz nachrangig behandeln. In Guldborgsund wächst die Sorge, dass das geplante Milliardenprojekt auf Nordfalster dadurch gefährdet wird.

Bürgermeister Simon Hansen (S). Foto: PatrickKirkby.com
Veröffentlicht

Das geplante Rechenzentrum auf Nordfalster könnte im äußersten Fall scheitern, falls die neue Linie der dänischen Regierung beim angespannten Stromnetz dazu führt, dass große Rechenzentren bei Netzanschlüssen nachrangig behandelt werden.

Das sagt Simon Hansen (Socialdemokraten), Bürgermeister der Kommune Guldborgsund. Hintergrund ist, dass Klima-, Energie- und Versorgungsministerin Samira Nawa die Parteien im Folketing zu Verhandlungen über einen Notplan für das Stromnetz eingeladen hat.

- Potenziell kann das bedeuten, dass das Rechenzentrum nicht realisiert wird und Garbe sich nach anderen Standorten umsieht, sagt Simon Hansen.

Damit bekommt die landesweite Debatte über das Stromnetz unmittelbare Bedeutung für eine der größten möglichen Unternehmensinvestitionen auf Lolland-Falster. Das deutsche Unternehmen Garbe Data Centers will 35 Hektar Gewerbefläche im Business Park Falster bei Nørre Alslev kaufen und dort ein großes Rechenzentrum errichten. Das Projekt könnte Investitionen von bis zu 20 Mrd. DKK auslösen, setzt aber den Zugang zu sehr großen Strommengen voraus.

Das Rechenzentrum benötigt einen Netzanschluss von bis zu 350 Megawatt. Das entspricht fast dem Siebenfachen der derzeitigen Spitzenlast der gesamten Kommune Guldborgsund. Garbe hat Anträge auf Netzanschluss gestellt, eine endgültige Klärung wird jedoch erst im Herbst erwartet.

Sorge in der Kommune

Die Regierung will nun stärker politisch festlegen, wer zuerst Zugang zum Stromnetz erhalten soll. Nach Angaben von Ritzau sollen unter anderem Verteidigung, Gesundheitswesen, private Haushalte, Elektroautos und Wärmepumpen höher priorisiert werden, während große ausländische Rechenzentren bei Netzanschlüssen weiter nach hinten rücken könnten.

In der Kommune Guldborgsund sorgt diese Ankündigung für Besorgnis.

- Wir glauben und hoffen, dass das Projekt dennoch realisiert wird. Wir sind im Prozess schon weit fortgeschritten, und es wäre völlig falsch, das Rechenzentrum auf Falster nicht zu priorisieren, sagt Simon Hansen.

Die Kommune versucht zugleich, Einfluss auf den politischen Prozess zu nehmen. Nach Angaben des Bürgermeisters steht Guldborgsund mit verschiedenen fachpolitischen Sprechern im Folketing in Kontakt. Außerdem hat die Kommune in der Sache einen Brief an Wirtschaftsminister Martin Lidegaard und an Klima-, Energie- und Versorgungsministerin Samira Nawa geschickt.

Frist verschoben

Die Frist für die bedingte Vereinbarung über das Rechenzentrum wurde bereits um drei Monate verlängert. Die Due-Diligence-Phase läuft nun bis zum 11. September. In dieser Zeit prüft Garbe die technischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Voraussetzungen für den Kauf.

Die Verlängerung hängt mit den Problemen bei Energinet zusammen. Das staatliche Übertragungsunternehmen hatte neue Netzanschlüsse zunächst ausgesetzt, um sich einen Überblick über die Kapazität des Stromnetzes und die stark steigende Nachfrage großer Stromverbraucher zu verschaffen.

Für das Rechenzentrumsprojekt auf Nordfalster bleibt die Stromfrage damit entscheidend. Die Kommune Guldborgsund hatte zuvor erklärt, dass sich an den grundlegenden Voraussetzungen des Projekts nichts geändert habe. Die neue politische Linie der Regierung erhöht jedoch die Unsicherheit, weil Rechenzentren nun ausdrücklich als eine Art von Stromverbrauch genannt werden, die bei Netzanschlüssen nachrangig behandelt werden könnte.

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