FÜR ABONNENTEN

Vereinbarung hält Sanierung des Fehmarn-Tunnelgrabens in Gang

Sund & Bælt bestätigt, dass der Hauptauftragnehmer auch nach den ersten 650 Metern weiterarbeitet. Der umstrittene Tunnelgraben bleibt ein Kostenrisiko im Milliardenprojekt.

3D-Grafik über die Unebenheiten in der Tunnelrinne auf dem Grund des Fehmarnbelts.
Veröffentlicht

Der staatliche dänische Bauherr Sund & Bælt und der Hauptauftragnehmer Femern Link Contractors haben ein Modell gefunden, das die Arbeiten am umstrittenen Tunnelgraben unter dem Fehmarnbelt in Gang hält. Damit gibt es eine vorläufige Lösung für einen der größten Streitpunkte in Dänemarks größtem Infrastrukturprojekt.

Bislang bestand nur Einigkeit über die Sanierung der ersten 650 Meter des Tunnelgrabens. Dieser Abschnitt musste vorbereitet werden, bevor die ersten drei Tunnelelemente vor Rødbyhavn abgesenkt werden können.

Nun bestätigt Sund & Bælt gegenüber FemernBusiness, dass FLC den Tunnelgraben auch nach den ersten 650 Metern vorbereitet. Die Arbeiten erfolgen schrittweise, jeweils im Vorfeld der nächsten Absenkungen.

Das ist eine wichtige Entwicklung beim Bau der Fehmarnbelt-Verbindung. Der Tunnelgraben ist der 18 Kilometer lange Aushub auf dem Meeresboden, in dem die 89 Tunnelelemente nacheinander platziert werden sollen. Er bildet das Fundament für den längsten Absenktunnel der Welt. Bevor ein Element abgesenkt werden kann, muss der Untergrund gereinigt und so aufgebaut werden, dass das Element stabil liegen kann.

Teuerste Lösung

Nach Angaben von Sund & Bælt laufen die Arbeiten nach demselben technischen Modell wie bei den ersten 650 Metern. Der Graben wird gereinigt, anschließend wird ein Schotterbett angelegt, das eine ebene und tragfähige Grundlage für die kommenden Tunnelelemente schaffen soll. Den technischen Teil beschreibt Sund & Bælt. Zu den wirtschaftlichen Bedingungen macht das Unternehmen keine Angaben.

Die Vorbereitung der ersten 650 Meter erfolgte nach Aufwand. FemernBusiness erfährt, dass dieses Abrechnungsmodell auch jetzt gilt, während FLC weiter im Tunnelgraben arbeitet.

Für den Bauherrn ist das die mit Abstand teuerste Lösung. Sund & Bælt zahlt für den tatsächlichen Zeitaufwand sowie für den Einsatz von Gerät und Personal, während FLC den Graben Abschnitt für Abschnitt vorbereitet. Die endgültige Rechnung hängt daher davon ab, wie umfangreich die Arbeiten tatsächlich werden. Sie steht erst fest, wenn die Arbeiten abgeschlossen sind.

Einer der größten Streitpunkte

Der Tunnelgraben ist seit einem Jahr einer der sensibelsten Punkte im Fehmarn-Projekt.

Ausgehoben wurde er vom Konsortium Femern Belt Contractors, FBC. Anschließend wurde der Graben von Femern A/S unter Sund & Bælt genehmigt und übernommen. Danach sollte er die Grundlage für die Arbeiten von FLC zur Absenkung der Tunnelelemente bilden.

An dieser Stelle entstand der Konflikt. FLC lehnte es ab, den Graben in dem Zustand zu genehmigen und zu übernehmen, in dem er übergeben worden war. Der Hauptauftragnehmer verwies auf deutliche Abweichungen in den ersten Abschnitten vor Lolland und machte die Qualität des Grabens zur Voraussetzung dafür, mit der Absenkung fortzufahren.

Sund & Bælt hielt lange daran fest, dass die Probleme durch Anpassungen beherrschbar seien. Im September erklärte der Bauherr, der Prozess verlaufe wie erwartet, allerdings mit einem größeren Anpassungsbedarf am Tunnelgraben als zunächst angenommen. Teile des Grabens seien etwas tiefer ausgehoben worden als geplant. Das könne nach Angaben des Bauherrn durch eine dickere Schotterschicht unter den Elementen ausgeglichen werden.

Die eigenen Messungen von FLC zeichneten ein anderes Bild. Auf den ersten 650 Metern zeigten die Vermessungen des Auftragnehmers lokale Abweichungen von bis zu 1,8 Metern. Laut dem Material erfüllten nur 1,84 Prozent des Grabenbodens die technischen Anforderungen. Spätere Vermessungen zeigten, dass sich die Probleme weiter draußen im Graben fortsetzten.

Für ersten Abschnitt extra bezahlt

Die erste praktische Lösung kam mit der Vereinbarung über die ersten 650 Meter. In einem Interview mit Ingeniøren am 4. Mai sagte Mikkel Hemmingsen, Geschäftsführer von Sund & Bælt, die Parteien hätten sich darauf geeinigt, dass Sund & Bælt mehr bezahlen müsse, um den Graben für die erste Absenkung vorzubereiten.

Mikkel Hemmingsen sagte Ingeniøren: „Wir sind mit FLC übereingekommen, dass wir etwas mehr bezahlen müssen, damit der Tunnelgraben für die erste Absenkung vorbereitet wird.“

FemernBusiness hatte zuvor berichtet, dass das niederländische Konsortium Femern Belt Contractors, FBC, eine Entschädigung gezahlt hat, weil Teile des Grabens zu tief ausgehoben worden waren. FBC war das Konsortium, das für den eigentlichen Aushub des Tunnelgrabens verantwortlich war.

Die Entschädigung ging an den Bauherrn Femern A/S unter Sund & Bælt, der den Graben anschließend an den Hauptauftragnehmer Femern Link Contractors, FLC, weitergeben sollte. FLC ist der Auftragnehmer, der den Graben für das Absenken der Tunnelelemente nutzen muss.

Nach Angaben von Mikkel Hemmingsen deckt die Entschädigung von FBC nicht die zusätzliche Zahlung ab, die Sund & Bælt nun an FLC leistet, um den Graben vorzubereiten.

Als Ingeniøren fragte, ob FLC etwas mehr bekomme, lautete die Antwort: „deutlich mehr“. Hemmingsen wies jedoch zurück, dass die Vereinbarung für die ersten 650 Meter in Milliardenhöhe liege.

Jetzt abonnieren und Zugang sichern

Schon Abonnent? Jetzt einloggen

Persönliches Abonnement

  • Premium-Zugang zu allen Inhalten auf FehmarnBusiness
  • Unbegrenzter Zugriff auf unser gesamtes Archiv
  • Newsletter mit den wichtigsten Branchennachrichten
  • Schnelle Updates bei relevanten Ereignissen
  • Website-Login – bleiben Sie auch unterwegs über Branchennews informiert
Abonnement kaufen

Testen Sie FehmarnBusiness 14 Tage kostenlos

  • Premium-Zugang zu allen Inhalten auf FehmarnBusiness
  • Unbegrenzter Zugriff auf unser gesamtes Archiv
  • Newsletter mit den wichtigsten Branchennachrichten
  • Schnelle Updates bei relevanten Ereignissen
  • Website-Login – bleiben Sie auch unterwegs über Branchennews informiert
Starten Sie Ihr Testabonnement