Die Pläne für grüne Industrie und große Investitionen auf Lolland-Falster und Südseeland basieren auf einer entscheidenden Voraussetzung. Es muss genug Strom vorhanden sein, und er muss geliefert werden können. Genau jetzt ist das Stromnetz das schwächste Glied. Das staatliche Unternehmen Energinet hat neue Anschlussvereinbarungen pausiert, um einen Überblick über den Druck auf das Übertragungsnetz zu bekommen, und das Netzunternehmen Cerius hat gleichzeitig große Anschlüsse auf Eis gelegt.
Gleichzeitig hängt ein geplantes Rechenzentrum und Investitionen von bis zu 20 Milliarden auf Nordfalster von einer Zusage für einen Stromanschluss von bis zu 350 Megawatt ab. Dies geschieht in einer Region, in der bereits Investitionen in Milliardenhöhe in Power-to-X, Biokraftstoff und grüne Industrie geplant sind. Daher stellt sich eine neue Frage. Wenn die Kapazität im Stromnetz hinterherhinkt, riskiert die Region dann, einige der Investitionen zu verlieren, auf denen die grüne Strategie sonst aufgebaut ist?
So funktioniert das Stromnetz
Das staatliche Unternehmen Energinet betreibt das übergeordnete Stromnetz in Dänemark. Hier werden große Mengen Strom im Land transportiert. Netzgesellschaften wie Cerius liefern den Strom das letzte Stück zu Unternehmen und Haushalten. Wenn ein Unternehmen viel Strom benötigt, muss zuerst im übergeordneten Stromnetz Platz sein. Wenn dies nicht der Fall ist, kann das Projekt nicht angeschlossen werden, selbst wenn lokal Kabel vorhanden sind.
In einem Beitrag in Børsen schreibt der Geschäftsführer von Energinet, Thomas Egebo, dass der Ausbau des Stromnetzes mit der Entwicklung nicht Schritt halten kann, obwohl die Bauarbeiten erheblich hochgefahren wurden. Er weist gleichzeitig darauf hin, dass es mit den derzeitigen Rahmenbedingungen nicht möglich ist, mit der Nachfrage Schritt zu halten, egal wie schnell gebaut wird.
Großer Druck
Dänemark zieht in diesen Jahren große Investitionen an, weil es zu den besten der Welt gehört, wenn es um die Lieferung von grünem Strom geht. Aber Energinet kann nicht mithalten. Die Nachfrage nach Anschluss an das Stromnetz ist viel schneller gewachsen, als das Energiesystem dafür ausgelegt ist. Energinet hat landesweit einen potenziellen Gesamtstromverbrauch von etwa 60 Gigawatt registriert. Zum Vergleich: Der derzeitige maximale Stromverbrauch Dänemarks liegt bei etwa 7 Gigawatt. Ein großer Teil der Nachfrage kommt von neuen Arten des Energieverbrauchs. Rechenzentren, Power-to-X-Anlagen, Batteriespeicher und andere energieintensive Industrien füllen einen immer größeren Teil der Warteschlange. Das übt einen massiven Druck auf das Übertragungsnetz aus, das in vielen Bereichen bereits nahe an der Grenze ist, wie viel Strom es transportieren kann.
Wie soll priorisiert werden
Ab dem 1. Februar 2026 kündigte Energinet ein neues Priorisierungsmodell an, bei dem Projekte nicht mehr nach dem Prinzip „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ behandelt werden, sondern nach Kriterien wie Reifegrad und Belastung des Stromnetzes bewertet werden. Wenige Wochen später verschärfte sich die Situation weiter. Neue Anschlussvereinbarungen wurden pausiert, um einen Überblick über die Nachfrage und deren Auswirkungen auf das Stromnetz zu erhalten.
Die Pause wird nun genutzt, um zu klären, wie die zukünftige Priorisierung in der Praxis aussehen soll. Wenn sie aufgehoben wird, wird es das Modell sein, das entscheidet, welche Projekte Zugang zum Stromnetz erhalten. Es ist eine Klärung, auf die große Teile der Branche warten.
Auf Südseeland und Lolland-Falster wird die Entwicklung besonders deutlich. Hier arbeiten die Kommunen gezielt daran, Unternehmen aus der grünen Industrie, Rechenzentren und der Produktion von grünen Kraftstoffen anzuziehen. Mehrere Investitionen in Milliardenhöhe sind bereits in Planung oder im Gange. Eine Power-to-X-Anlage bei Nakskov, eine große Anlage zur Produktion von Flugkraftstoff auf Masnedø und ein geplantes Rechenzentrum auf Falster gehören zu den Projekten, die die Wirtschaftsstruktur verändern können und Zugang zu großen Mengen Strom erfordern.
Verzögerter Ausbau
Der Ausbau des Stromnetzes in der Region ist bereits unter Druck. Eine zentrale Aufrüstung des Hochspannungsnetzes auf Lolland-Falster und Südseeland ist deutlich teurer geworden und um mehrere Jahre verzögert. Zwei wichtige Verbindungen werden erst 2028 und 2029 fertiggestellt. Sie sollen die Kapazität im Netz erhöhen und es ermöglichen, sowohl Strom von den vielen Solar- und Windanlagen weiter im System zu verteilen als auch neue große Stromverbraucher anzuschließen. Wenn sich der Zeitplan um mehrere Jahre in die Zukunft verschiebt, wird dies ein entscheidender Faktor für die Unternehmen, die in die Region investieren möchten.
Für Investoren wird der Zugang zu Strom daher ein entscheidender Faktor. Das gilt nicht zuletzt für das geplante KI-Rechenzentrum auf Falster, wo das Projekt einen Stromanschluss von bis zu 350 Megawatt voraussetzt. Das entspricht fast dem Siebenfachen der derzeitigen Spitzenlast der gesamten Gemeinde Guldborgsund. Solche Projekte erfordern die Sicherheit, dass das Stromnetz die Kapazität rechtzeitig liefern kann. Fehlt diese Sicherheit, könnten Investitionen in andere Gebiete abwandern, wo die Infrastruktur bereits vorhanden ist.
Aber der Druck auf das Stromnetz ist kein lokales Problem. Das gilt in weiten Teilen Europas. Daher sind die Alternativen weniger zahlreich, als sie auf den ersten Blick erscheinen.
Der Ausbau des Stromnetzes ist daher nicht mehr nur eine technische Frage für den Energiesektor. Er wird zu einem entscheidenden Rahmen für die wirtschaftliche Entwicklung. Lolland, Guldborgsund und Vordingborg haben sich in den letzten Jahren als Zentrum für grüne Energie, neue Brennstoffe und energieintensive Industrie positioniert. Investoren beginnen, sich für das Gebiet zu interessieren, und Investitionen in Milliardenhöhe sind entweder geplant oder in Entwicklung. Gemeinsam ist ihnen eines. Es muss Platz im Stromnetz sein. Wenn der Ausbau der Infrastruktur hinterherhinkt, könnte dies der Faktor sein, der entscheidet, wo die nächste Welle grüner Investitionen endet.