Nach mehr als zwei Jahren Verzögerung geht das Fehmarnbelt-Projekt nun in die entscheidende Phase des gesamten Bauvorhabens.
Nach Informationen von FehmarnBusiness aus Kreisen der Baustelle könnte das erste Tunnelelement bereits in dieser Woche im Fehmarnbelt abgesenkt werden.
Dabei soll das erste der 217 Meter langen Tunnelelemente mit einem Gewicht von 73.500 Tonnen von Rødbyhavn aus ausgeschleppt und in den Tunnelgraben auf dem Meeresboden abgesenkt werden.
Der Hauptauftragnehmer Fehmarn Link Contractors, FLC, hat die Ballastierung des ersten Elements abgeschlossen, das abgesenkt werden soll. Dabei handelt es sich um Element 77, jenes Element, das König Frederik im Juni 2024 eingeweiht hat.
Uneinigkeit über den Tunnelgraben
Die Absenkung beginnt auf den ersten 650 Metern des Tunnelgrabens, der im vergangenen Jahr einer der größten Streitpunkte des Projekts war. FLC hatte die Auffassung vertreten, dass der Graben in seiner damaligen Ausführung nicht genehmigungsfähig sei, und auf so gravierende Mängel hingewiesen, dass die Arbeiten erst fortgesetzt werden konnten, nachdem Einigkeit über den Zustand des Meeresbodens erzielt worden war. Sund & Bælt und Femern A/S hielten dagegen daran fest, dass sich die Abweichungen mit geringfügigen Anpassungen bewältigen ließen. Über die Qualität des restlichen, insgesamt 18 Kilometer langen Tunnelgrabens verhandeln die Parteien weiterhin.
Damit erreicht das Projekt nun die Phase, von der der gesamte weitere Zeitplan abhängt. Die Absenkung der Tunnelelemente galt über Jahre als der sensibelste und zugleich entscheidende Abschnitt des Bauvorhabens. Erst wenn die Elemente tatsächlich an ihrem Platz liegen, kann ein neuer Gesamtzeitplan für das Projekt erstellt werden.
Im Januar teilte Sund & Bælt mit, dass die erste Absenkung im Frühjahr 2026 erwartet werde. Zugleich wurde bekannt, dass sich das Projekt um mehr als zwei Jahre verzögert hat und ein überarbeiteter Zeitplan erst vorgelegt werden soll, wenn die ersten Tunnelelemente abgesenkt worden sind.
Neben dem Tunnelgraben stellte auch das Spezialschiff Ivy ein Hindernis dar. Nachdem sich zunächst die Auslieferung durch die Werft verzögert hatte, zog sich anschließend das Genehmigungsverfahren in die Länge. Inzwischen ist Ivy jedoch endlich von der Schifffahrtsbehörde zugelassen worden, anderthalb Jahre nach der Auslieferung.
Elemente stehen bereit
In Rødbyhavn liegen die Elemente bereit. Die intensivsten Arbeiten konzentrieren sich derzeit auf den Arbeitshafen rund um das Absenkschiff Ivy, unter dem das erste Tunnelelement bereits positioniert ist. Rund um Ivy liegen die übrigen fertig gegossenen Elemente und warten auf ihren Einsatz.
Bislang wurden 14 Standardelemente produziert. Darüber hinaus sind drei Spezialelemente mit Untergeschoss für die Elektronik des Tunnels gegossen worden, weitere befinden sich im Bau. Insgesamt sollen zehn dieser Spezialelemente errichtet werden, die in Abständen von rund zwei Kilometern im Tunnel platziert werden.
Nach dem ursprünglichen Zeitplan sollte die Absenkung 36 Monate in Anspruch nehmen. Die strengen deutschen Umweltauflagen deuten jedoch darauf hin, dass dieser Abschnitt mehr Zeit beanspruchen könnte. Anschließend folgen bis zu zwei Jahre für Tests und technische Installationen, bevor die Verbindung eröffnet werden kann.