Das Verkehrsministerium und Sund & Bælt arbeiteten eng zusammen, um den Konflikt mit dem Bauunternehmer hinter dem Femern-Projekt zu bewältigen, während sich der Fall öffentlich entwickelte.
Dies geht aus einer Akteneinsicht hervor, die FemernBusiness erhalten hat. Sie gibt Einblick in die Abläufe hinter den Kulissen während des aufsehenerregenden Briefwechsels zwischen Abteilungsleiter Jacob Heinsen und dem Geschäftsführer von Femern Link Contractors, Sébastien Bliaut.
Interne E-Mails zeigen, wie Antwortentwürfe zwischen dem Ministerium und dem Bauherrn geteilt, diskutiert und angepasst wurden, bevor sie versandt wurden.
Das Material zeichnet damit das Bild einer eng koordinierten staatlichen Handhabung des Konflikts, in deren Verlauf der Abteilungsleiter des Verkehrsministeriums, Jacob Heinsen, infrage stellte, ob das FLC-Konsortium in der Lage ist, die feste Verbindung zwischen Dänemark und Deutschland fertigzustellen.
Probleme in der Zusammenarbeit
Das Femern-Projekt ist bereits von erheblichen Verzögerungen betroffen. Probleme mit dem Absenkschiff Ivy haben die Arbeiten zur Absenkung der Tunnelelemente verzögert.
Gleichzeitig ist ein grundlegender Konflikt zwischen Bauherr und Bauunternehmer über die Ursachen entstanden. Während Staat und Sund & Bælt das Schiff als größtes Risiko für das Projekt sehen, verweist der Bauunternehmer auf die Herausforderungen im Tunnelgraben als zentrale Ursache der Verzögerungen.
Der Streit ist zudem mit einem umfangreichen finanziellen Konflikt verbunden. Der Bauunternehmer hat Forderungen in Höhe von insgesamt 14,5 Milliarden DKK gegen den Bauherrn geltend gemacht.
Ist eine Antwort sinnvoll?
In einer E-Mail vom 1. Dezember 2025 um 08:15 Uhr bittet das Verkehrsministerium Sund & Bælt, zu beurteilen, ob auf die Anfrage von Sébastien Bliaut überhaupt geantwortet werden sollte. Bliaut ist Vorsitzender von FLC und hatte Heinsen über LinkedIn kontaktiert.
„Jacob Heinsen möchte die Anfrage beantworten, aber nur, wenn Sie dies für sinnvoll halten.“
Am folgenden Tag, dem 2. Dezember 2025 um 15:52 Uhr, stimmt Sund & Bælt einer Antwort zu, jedoch mit einer konkreten Ergänzung:
„Wir sind mit der Antwort einverstanden, sofern am Ende ergänzt wird, dass der weitere Dialog mit Femern geführt werden sollte.“
Anschließend wird der Wortlaut angepasst, bevor die Antwort versandt wird.
Am 9. Dezember 2025 um 10:24 Uhr sendet Sébastien Bliaut seine Antwort an das Verkehrsministerium. Darin weist er die Einschätzung des Ministeriums zurück und schreibt, die Angelegenheit sei „nicht zutreffend dargestellt“. Zugleich übt er scharfe Kritik am Bauherrn und an den Behörden und bezeichnet die Situation als Führungskrise.
Wenige Stunden später, um 14:58 Uhr, leitet das Ministerium die Antwort an Sund & Bælt weiter.
Zieht Kritik zurück
Die Akteneinsicht gibt auch Aufschluss darüber, wie der Abteilungsleiter des Verkehrsministeriums, Jacob Heinsen, auf die Kritik von Sébastien Bliaut reagieren wollte.
In einem Entwurf hält er fest, dass das Projekt um etwa 20 Monate verzögert ist, dass das Absenkschiff weiterhin nicht zugelassen ist und dass bislang keine Tunnelelemente abgesenkt wurden. Zugleich betont er, dass die Verzögerungen Zweifel daran geweckt haben, ob das Konsortium in der Lage ist, das Projekt fertigzustellen.
Er schreibt außerdem, dass entscheidend sei, Fortschritte mit dem Schiff in der Praxis zu belegen, indem tatsächlich erste Elemente in der Tunnelrinne platziert werden.
Am 10. Dezember wird der Konflikt jedoch von Seiten des Unternehmers beendet. Die Unternehmensleitungen der am Konsortium beteiligten Firmen erklären, dass der Brief von Sébastien Bliaut von einem einzelnen Mitarbeiter verfasst wurde und nun offiziell zurückgezogen ist.
Das Konsortium distanziert sich damit kurz nach der Vorbereitung der ministeriellen Antwort von der Kritik.
Der Konflikt veranlasste anschließend den Juraprofessor Frederik Waage von der Universität Süddänemark, die Frage aufzuwerfen, ob das Bauprojekt angesichts des hohen Konfliktniveaus noch unter Kontrolle ist.