Ein Statusbericht, der an den Bauherrn Femern A/S vom Auftragnehmer Femern Link Contractors gesendet wurde, wirft ein scharfes Licht auf die Probleme, die die Arbeiten an der Fehmarn-Verbindung prägen. Während die offiziellen Mitteilungen von Femern A/S darauf bestehen, dass die Eröffnung 2029 erfolgt, zeigt der Bericht ein weitaus vorsichtigeres Szenario: Die erste Absenkung der Tunnelelemente kann frühestens am 9. Mai 2026 erfolgen. In den offiziellen Zeitplänen sind drei Jahre für das Absenken der Tunnelelemente vorgesehen - danach folgen zwei Jahre Arbeit und Tests, bevor man öffnen kann.
Der Bericht beschreibt, wie der Tunnelgraben nicht genehmigt ist und wie der Auftragnehmer Femern Link Contractors daher die Verantwortung nicht übernehmen und die Arbeiten fortsetzen kann. Das bedeutet, dass die riesigen Tunnelelemente, die in Rødbyhavn gegossen werden, derzeit keinen Platz zur Platzierung haben.
Damit stellt der Bericht die Frage, ob der Zeitplan eingehalten werden kann - und wie groß die Verzögerung des Projekts tatsächlich ist.
- Es ist besorgniserregend, wenn das Datum glaubwürdig ist, dann ist es eine massive Verzögerung, die sie sehen, sagt ein Seniorforscher am Institut für Bauwesen, Stadt und Umwelt an der Universität Aalborg.
Der Tunnelgraben als Engpass
Der 18 Kilometer lange Tunnelgraben ist das eigentliche Fundament der Verbindung. Bevor jedes der 89 Elemente abgesenkt werden kann, muss der Graben ausgehoben, kontrolliert und genehmigt sein. Erst danach kann die Verantwortung formell vom Bauherrn Femern A/S auf den Auftragnehmer Femern Link Contractors übergehen.
Der Statusbericht zeigt, dass diese Übergabe auf Eis gelegt wurde, weil der Auftragnehmer die vom Bauherrn gelieferten Daten abgelehnt hat. Damit steht der Bau derzeit still.
- Es wurde allem Anschein nach eine Tunnelrinne übergeben, die in Ordnung war, denn sonst hätte der Bauherr Femern A/S sie nicht genehmigt und die Verantwortung dafür übernommen. Und jetzt steht FLC, das den Tunnel bauen soll, und erhebt Einspruch. Das ist im Moment das Problem des Bauherrn. Der Auftragnehmer kann keine Elemente in eine Tunnelrinne legen, die nicht den Anforderungen entspricht, sagt Kim Haugbølle.
Der Streit dreht sich nicht nur um Technik. Es geht auch darum, wer das Risiko trägt, wenn später Probleme auftreten. Eine genehmigte Rinne bedeutet, dass der Auftragnehmer die Verantwortung trägt. Eine abgelehnte Rinne gibt die Verantwortung an den Bauherrn zurück.
Laut Haugbølle muss der Statusbericht genau in diesem Spannungsfeld gelesen werden. Er weist sowohl auf ein echtes technisches Problem als auch auf ein taktisches Spiel zwischen den Parteien hin.
Das Datum als Druckmittel
Mitten in den Beschreibungen des Berichts steht das Datum 9. Mai 2026 als erstes mögliches Absenken. Das ist mehr als zwei Jahre später als geplant, und das gibt laut Haugbølle dem Auftragnehmer eine starke Verhandlungsposition gegenüber dem Bauherrn.
- Dies spiegelt vermutlich eine Verhandlung wider, bei der man als Unternehmer so gut wie möglich dastehen und maximalen Druck auf den Bauherrn ausüben möchte, sagt Kim Haugbølle.
Ein Spiegel der Unsicherheit des Projekts
Für Kim Haugbølle ist der Statusbericht nicht nur eine technische Darstellung. Er zeigt auch, wie große Bauprojekte oft mit einer Diskrepanz zwischen dem, was der Öffentlichkeit mitgeteilt wird, und dem, was zwischen Bauherr und Unternehmern vor sich geht, leben.
- Es ist nicht ungewöhnlich, dass man zwei Erzählungen gleichzeitig hat. Die interne und die externe. Nach außen hin hält man daran fest, dass man 2029 eröffnet. Intern haben wir einige Papiere direkt aus dem Maschinenraum, die eine andere Realität zeigen als die, die der Öffentlichkeit erzählt wird.
Wie groß kann der Unterschied zwischen den beiden Erzählungen sein?
’Dies ist eine ziemlich markante Abweichung, sagt Kim Haugbølle.