Der neue Sonderbericht des EU-Rechnungshofs über große, grenzüberschreitende Verkehrsprojekte zeichnet ein Bild einer europäischen Infrastruktur, die bei weitem nicht in dem Tempo und zu den Kosten liefert, wie es bei vielen Projekten ursprünglich verkauft wurde. Die Prüfer haben acht sogenannte Megaprojekte untersucht, die als zentrale Bestandteile des transeuropäischen Verkehrsnetzes (TEN-V) der EU fungieren, und die Hauptschlussfolgerung ist, dass Verzögerungen und Kostenüberschreitungen zu einem durchgängigen Muster geworden sind. Die Projekte liegen deutlich hinter ihren ursprünglichen Plänen zurück, und daher bewerten die Prüfer, dass das Ziel, das transeuropäische Kernverkehrsnetz bis 2030 zu vervollständigen, nicht mehr realistisch ist.
Die acht Megaprojekte
Rail Baltica
Umfassendes Eisenbahnprojekt, das die baltischen Staaten mit Polen und dem übrigen europäischen Eisenbahnnetz verbinden soll.
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Lyon-Turin
Eisenbahnverbindung zwischen Frankreich und Italien mit dem Mont-d’Ambin-Basistunnel als zentrales Element.
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Brennerbasistunnel
Eisenbahntunnel durch die Alpen zwischen Innsbruck in Österreich und Franzensfeste in Italien.
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Fehmarnbelt-Verbindung
Feste Verbindung für Straße und Schiene zwischen Dänemark und Deutschland.
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Baskisches Y
Eisenbahnprojekt im Baskenland, das Bilbao, Vitoria und Donostia-San Sebastián verbinden und die Verbindungen nach Frankreich und Madrid stärken soll.
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Seine-Schelde
Großes Wasserstraßenprojekt, das die inneren Wasserstraßen zwischen Frankreich, Belgien und den Niederlanden aufwertet und verbindet.
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Rumänisches Autobahnprojekt (A1)
Autobahnkorridor quer durch Rumänien zwischen Bukarest und der ungarischen Grenze.
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E59
Eisenbahnkorridor von Tschechien durch Polen zur Ostsee.
Der Sonderbericht behandelt im Wesentlichen zwei Dinge: Zeit und Geld. Auf der Zeitseite weisen die Prüfer darauf hin, dass mehrere Projekte so weit verschoben wurden, dass der gesamte europäische Netzwerkeffekt entweder ausbleibt oder sich erst viel später als angenommen materialisiert. Es ist nicht nur eine Frage einzelner Bauprojekte, die verzögert werden, sondern dass die Kohärenz in ganzen Korridoren unterbrochen wird. Wenn zentrale Engpässe nicht wie geplant beseitigt werden, wird es schwieriger, die Vorteile zu realisieren, die als politische Begründung verwendet wurden: schnellere Güterströme, kürzere Reisezeiten, erhöhte Bahnkapatität und robustere Logistik über Landesgrenzen hinweg.
Zeit ist teuer
Auf der Geldseite zeigt der Bericht, dass die gesamten geschätzten Kosten für die acht Projekte erheblich gestiegen sind. Damit werden die wirtschaftlichen Risiken unterstrichen, die entstehen, wenn Zeitpläne ins Wanken geraten. Die Prüfer heben gleichzeitig hervor, dass die EU direkt finanziell beteiligt ist und dass in den letzten Jahren zusätzliche EU-Mittel genau diesen Projekten zugeführt wurden. Dieser Punkt ist zentral, weil EU-Unterstützung oft als Qualitätsmerkmal hervorgehoben wird. Die Schlussfolgerung des Rechnungshofs ist, dass die Finanzierung an sich die strukturellen Probleme nicht löst, wenn Planung, Steuerung und Durchführung nicht mit den Ambitionen Schritt halten können.
In der Gruppe der acht Projekte ist die Fehmarnbelt-Verbindung eines der großen, grenzüberschreitenden Bauwerke, die von der EU als entscheidend für den Zusammenhalt der europäischen Transportkorridore angesehen werden. Die Prüfer platzieren die Verbindung auf dem Skandinavien-Mittelmeer-Korridor und beschreiben sie als zentrales Element der Verkehrsachse zwischen Nord- und Südeuropa. Damit wird die Verbindung nicht nur als ein dänisch-deutsches Bauprojekt bewertet, sondern als ein europäisches Glied, das den gesamten Korridor besser funktionieren lassen soll.
Fehmarn ist best case
Gleichzeitig ist es bemerkenswert, wie die Fehmarnbelt-Verbindung im vergleichenden Perspektive des Berichts erscheint. In einer Durchsicht, bei der mehrere der anderen Projekte weit in die Zukunft verschoben wurden, erscheint Fehmarn als der robusteste Fall im Feld. Das liegt nicht daran, dass das Projekt ohne Herausforderungen ist, sondern dass es relativ gesehen weiter fortgeschritten ist als die anderen Megaprojekte.
Die Bewertung des Femern-Projekts durch die Prüfer ist jedoch auch dadurch gekennzeichnet, dass sie übergeordnet ist. Der Bericht geht nicht auf die technische Umsetzung oder die konkreten Bauphasen ein, sondern basiert auf einem Vergleich von Zeitplänen und finanziellen Rahmenbedingungen über die Projekte hinweg. Das bedeutet, dass die Bewertung in erster Linie als relative Position im gesamten Portfolio der EU gelesen werden sollte und nicht als detaillierte Beurteilung des praktischen Fortschritts.