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Femern-unternehmer: Das Ministerium hat die Angelegenheit nicht im Griff

Der Geschäftsführer des Hauptauftragnehmers Femern Link Contractors kritisiert das Verkehrsministerium für schlechte Verwaltung und unkritisches Vertrauen in Sund & Bælt.

Das Ivy-Schiff, das noch auf die endgültige Genehmigung wartet. Foto: Sund & Bælt
Veröffentlicht Geändert

Der abteilungsleiter des transportministeriums hat in einer direkten antwort an den hauptauftragnehmer des fehmarnbelt-projekts geschrieben, dass die verzögerungen besorgnis darüber ausgelöst haben, ob das konsortium das projekt durchführen kann. Nun antwortet der geschäftsführer des auftragnehmers und bestreitet die grundlage für die bewertung des ministeriums. Er schreibt, dass die angelegenheit dem abteilungsleiter nicht gut genug erläutert wurde, die situation eine verwaltungskrise darstellt und verweist auf das vertrauen in das staatliche unternehmen sund & bælt als problem.

Dies geht aus einem aktieneinblick hervor, den femernbusiness vom transportministerium erhalten hat.

Die angelegenheit betrifft das fehmarnbelt-projekt, bei dem der staatliche bauherr femern a/s unter sund & bælt und der hauptauftragnehmer femern link contractors seit längerem in einem festgefahrenen konflikt über verzögerungen, ursachen und wirtschaftliche aspekte stehen. Femern link contractors (flc) ist ein internationales auftragskonsortium, zu dem unter anderem vinci construction, per aarsleff, max bögl, cfe, deme, bam und solétanche-bachy gehören. Flc hat eine forderung von 14,5 milliarden kronen erhoben, und es läuft auch ein internationales schiedsverfahren zu coronabedingten verzögerungen.

Falsche grundlage

Die korrespondenz beginnt am 19. november 2025, als der geschäftsführer von flc, sébastien bliaut, den abteilungsleiter jacob heinsen über linkedin kontaktiert und zu einem treffen einlädt. Am 5. dezember antwortet der abteilungsleiter in einer e-mail, in der er unter anderem auf probleme mit dem absenkfahrzeug hinweist und schreibt, dass die verzögerungen besorgnis darüber ausgelöst haben, ob das konsortium in der lage ist, das projekt durchzuführen.

Vier Tage später, am 9. Dezember 2025, sendet Sébastien Bliaut seine Antwort. Er ist Geschäftsführer von FLC und gleichzeitig Leiter bei VINCI Construction Grands Projets mit Verantwortung für Mitteleuropa, Nordeuropa und Benelux. Zuvor hat er sowohl am Øresund-Projekt als auch am Metrobau gearbeitet.

Er beginnt damit, die Einschätzung des Abteilungsleiters als unzutreffend zurückzuweisen.

„Es ist offensichtlich aus deiner Antwort an mich, dass die Angelegenheit dir nicht ausreichend bekannt ist“, schreibt Sébastien Bliaut.

Das Ausbleiben von Dialog und die Vervielfachung von Klagen werden das Schiff nicht näher an das Ziel bringen

Sébastien Bliaut, Direktor FLC

Hat die politische Verantwortung

Obwohl das Verkehrsministerium keine Vertragspartei ist, meint er, dass das Ministerium als oberste Fachbehörde und Berater des Ministers die Verantwortung dafür trägt, dass Entscheidungen auf korrekten Informationen basieren.

„Als Beamter und oberster Berater des Ministers weißt du auch, dass eine politische Verantwortung damit einhergeht, ob die Angelegenheit korrekt informiert ist. Entscheidungen und Nichtentscheidungen müssen auf korrekten Informationen basieren“, schreibt er.

Gleichzeitig widerspricht er der Einschätzung des Abteilungsleiters bezüglich des Absenkfahrzeugs. Er erkennt an, dass das Fahrzeug noch nicht bereit ist, weist jedoch zurück, dass es die entscheidende Engstelle ist.

Hier kann man deutlich die Unebenheiten im Tunnelgraben sehen.

„Fakt ist, dass unser Fahrzeug aus verschiedenen Gründen noch nicht bereit ist. Fakt ist auch, dass wir Fortschritte machen und dass das Fahrzeug weder kurzfristig noch langfristig als Engstelle betrachtet werden kann“, schreibt er.

Steigendes konfliktlevel

Er richtet die kritik auch gegen das, was er als ein konfliktlevel beschreibt, das es an sich schwieriger macht, weiterzukommen.

„Aber wenn deine hauptbesorgnis das fahrzeug betrifft, solltest du vielleicht alternative maßnahmen in betracht ziehen: das fehlen eines dialogs und die vervielfachung von klagen werden das fahrzeug nicht näher an das ziel bringen“, schreibt Sébastien Bliaut.

Stattdessen weist er auf die tunnelrinne als das zentrale problem hin und verbindet es mit einer breiteren kritik am umgang mit dem projekt. 

„Es handelt sich um eine verwaltungskrise“, schreibt er.

Unkritisches vertrauen

Zum schluss hebt er die kritik auf eine allgemeinere ebene und schreibt, dass FLC in einem „geschlossenen kreis“ der ansicht ist, dass das größte risiko für das projekt das vertrauen der behörden in Sund & Bælt ist, das das staatseigene unternehmen ist, das Femern A/S besitzt und für die großen infrastrukturprojekte des staates verantwortlich ist, einschließlich der Femern Bælt-verbindung.

„Unsere bewertung ist, in diesem geschlossenen kreis, dass das, anscheinend, unkritische vertrauen der behörden in Sund & Bælt A/S das größte risiko für das projekt darstellt“, schreibt Sébastien Bliaut.

Damit weist Sébastien Bliaut direkt in den maschinenraum des femernbaus.

Der Streit zwischen dem Bauherrn und dem Hauptauftragnehmer ist seit längerer Zeit umfassend und wird gleichzeitig auf mehreren Fronten geführt. Es geht sowohl darum, was die Arbeiten in der Phase, in der die Tunnelelemente abgesenkt werden sollen, tatsächlich bremst, als auch um die wirtschaftlichen Konsequenzen der Verzögerungen und Änderungen, für die die Parteien jeweils die Verantwortung dem anderen zuschreiben.

Femern Link Contractors hat sich nicht zurückgemeldet, und Sund & Bælt hat keine Kommentare.

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