Schwere Vorwürfe wegen sexueller Belästigung, Drohungen und eines belastenden psychischen Arbeitsumfelds haben eine Abteilung des Bauunternehmers Femern Link Contractors auf der Fehmarnbelt-Baustelle geprägt.
Das geht aus einer Entscheidung der dänischen Arbeitsaufsichtsbehörde hervor, zu der FemernBusiness durch einen Antrag auf Akteneinsicht Zugang erhalten hat.
Der Fall beschreibt die Arbeitsbedingungen in einer Steward-Abteilung, die Service- und Kontrollaufgaben auf der Baustelle übernimmt. Dort waren Beschäftigte nach Angaben der Behörde über längere Zeit hinweg beleidigendem und herabwürdigendem Verhalten durch ihre direkte Führung ausgesetzt. Die dänische Arbeitsaufsicht wurde nach einer Beschwerde eines Mitarbeiters im Oktober 2025 eingeschaltet und führte im November Inspektionsbesuche durch. In ihrer Entscheidung vom darauffolgenden Monat kam die Behörde zu dem Schluss, dass das Unternehmen die Verhältnisse inzwischen in Ordnung gebracht hat.
Nach Angaben der dänischen Arbeitsaufsicht waren die Beschäftigten „verletzenden oder herabwürdigenden Bemerkungen“, „anstößiger Kommunikation“ und „spontaner und ungerechtfertigter Wut“ ausgesetzt.
Wie viele Millimeter?
Der Fall enthält zugleich konkrete Beispiele für sexuelle Anspielungen am Arbeitsplatz. In einem Fall soll ein Vorgesetzter bei der Benutzung eines Beschriftungsgeräts die Bemerkung „wie viele Millimeter?“ gemacht haben, während er das Gerät in Richtung seines eigenen Schritts führte.
Beschäftigte schildern außerdem, dass die Führung das Geschehen in einem Besprechungsraum mit dem Namen „red room“ als „heiß“ bezeichnet habe.
Nach Einschätzung der dänischen Arbeitsaufsicht handelte es sich nicht um Einzelfälle. Das übergriffige Verhalten habe sich über mehrere Monate erstreckt und sei „oft täglich und mindestens mehrmals wöchentlich“ vorgekommen.
Drohungen, alle zu entlassen
Gegenüber der dänischen Arbeitsaufsicht beschrieben Beschäftigte einen Führungsstil, der von Drohungen geprägt gewesen sei. Laut Entscheidung erlebten Beschäftigte, dass der Vorgesetzte damit drohte, „alle in der Abteilung zu feuern und andere einzustellen, die die Arbeit machen können“.
Zugleich beschreibt der Fall einen Arbeitsalltag mit erhobener Stimme, aggressivem Auftreten und einem Ton, den Beschäftigte als herablassend und einschüchternd wahrnahmen.
Die Folgen für die Beschäftigten waren dem Fall zufolge erheblich. Mehrere berichteten von Schlafproblemen, Stimmungsschwankungen und fehlender Freude an der Arbeit. Außerdem wurden Bauchschmerzen vor Arbeitsbeginn geschildert. Gleichzeitig entstand die Angst, Probleme gegenüber der Führung anzusprechen.
Die dänische Arbeitsaufsicht wurde auch über einen Beschäftigten informiert, der infolge der Verhältnisse mit Stresssymptomen krankgeschrieben war.
Während der Gespräche mit der Behörde wurden zudem deutliche Anzeichen von Unsicherheit bei Beschäftigten beobachtet, darunter zitternde Hände, eine nervöse Stimme und sichtbare Verunsicherung, insbesondere wenn es um das Verhalten der Führung ging.
Die dänische Arbeitsaufsicht kam zu dem Schluss, dass das Unternehmen gegen die Vorschriften zum psychischen Arbeitsumfeld verstoßen hat und dass das übergriffige Verhalten nach Art und Umfang ein Gesundheitsrisiko für die Beschäftigten darstellte. Zugleich stellte die Behörde fest, dass die vorbeugenden Maßnahmen des Unternehmens zu diesem Zeitpunkt nicht ausreichten.
Vorgesetzter nicht mehr beschäftigt
Der Fall endete mit einer Rüge. Die dänische Arbeitsaufsicht legte dabei besonderes Gewicht darauf, dass das Unternehmen die für das übergriffige Verhalten verantwortliche Person inzwischen identifiziert hat und diese nicht mehr beschäftigt ist. Außerdem erklärte das Unternehmen, seine Richtlinien und Maßnahmen gestärkt zu haben, um ein besseres psychisches Arbeitsumfeld sicherzustellen.
In einer Stellungnahme gegenüber FemernBusiness erklärte FLC, die von der dänischen Arbeitsaufsicht beschriebenen Verhältnisse seien „inzwischen in Ordnung gebracht“, und verwies auf die Null-Toleranz-Politik des Unternehmens gegenüber übergriffigem Verhalten. Das Unternehmen wollte sich zu dem konkreten Personalfall nicht weiter äußern und machte auch keine genaueren Angaben dazu, welche Änderungen nach dem Vorfall umgesetzt wurden.