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Tourismus und Service wachsen im Schatten des Femern-Baus

Die Femern-Verbindung schafft Tausende von Arbeitsplätzen im Bauwesen - aber die dauerhaften Effekte zeigen sich in Hotels, Reinigung und Service.

Die meisten Arbeitsplätze im Bauwesen verschwinden, wenn die Fehmarnbelt-Verbindung fertiggestellt ist. Aber die vielen neuen Arbeitsplätze im Tourismus bleiben. Foto: Jan Knudsen
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Die Bagger arbeiten rund um die Uhr in Rødbyhavn, und die großen Bauprojekte hinterlassen ihre deutlichen Spuren - nicht nur in der Landschaft, sondern auch auf dem Arbeitsmarkt. Neue Zahlen zeigen, dass die Zahl der Beschäftigten in der Femern-Region in den letzten Jahren deutlich gestiegen ist und das Projekt bereits Tausende von Arbeitsplätzen geschaffen hat. Diese Entwicklung ist in den fünf umliegenden Gemeinden spürbar: Lolland, Guldborgsund, Vordingborg, Næstved und Faxe, die zusammen durch die großen Bauarbeiten gestärkt wurden.

Seit 2016 ist die Beschäftigung in den ausgewählten Branchen in den fünf umliegenden Gemeinden von 14.874 auf 22.173 Beschäftigte gestiegen. Das entspricht einem Anstieg von 7.299 Personen - fast 50 Prozent in sieben Jahren. Die Zahlen stammen von der Agentur für Arbeitsmarkt und Rekrutierung, die jedes Quartal die Beschäftigung in den betroffenen Gemeinden erfasst. Damit kann man die Entwicklung genau verfolgen, und das Bild ist klar: Die Femern-Verbindung hat den Arbeitsmarkt in der gesamten Region nachhaltig geprägt.

Der Bau boomt

Wenn man in die Zahlen eintaucht, wird schnell klar, dass die Bau- und Konstruktionsbranche der große Motor hinter dem Fortschritt ist. Die Branche hat die Zahl der Beschäftigten in diesem Zeitraum fast verdoppelt. Von 5.575 im Jahr 2016 auf heute 10.950 - ein Anstieg von 5.375 Personen oder ganze 96 Prozent. Fast drei von vier neuen Arbeitsplätzen in der Region seit 2016 wurden also im Bauwesen geschaffen.

Diese Entwicklung ist nicht überraschend, wenn man an das Ausmaß des Projekts denkt. Die Femern-Verbindung wird der längste Absenktunnel der Welt mit 18 Kilometern Autobahn und Eisenbahn unter dem Meer, und jedes einzelne Gießen, jedes Fundament und jeder Betonblock erfordert Tausende von Händen. Aber gleichzeitig stellt sich auch die Frage: Was passiert, wenn der Bau fertig ist und viele der temporären Arbeitsplätze wieder verschwinden?

Tourismus und Service wachsen mit

Ein Teil der Antwort findet sich in den anderen Branchen. Die Hotel- und Gastronomiebranche ist deutlich gewachsen, von 3.678 Beschäftigten im Jahr 2016 auf heute 5.304. Das ist ein Anstieg von 44 Prozent, obwohl die Corona-Krise zwischendurch einen deutlichen Einbruch verursachte. Heute ist die Beschäftigung in diesem Sektor höher als je zuvor, angetrieben sowohl von angereisten Arbeitern, Treffen und Konferenzen, als auch von einem aufkeimenden Tourismus, der voraussichtlich weiter wachsen wird, wenn der Tunnel fertiggestellt ist.

Was passiert, wenn der Bau stoppt?

Von den 7.299 zusätzlichen Beschäftigten in der Fehmarn-Region seit 2016 kommen 5.375 aus dem Bau- und Anlagensektor. Das entspricht 74 Prozent des gesamten Wachstums. Wenn der Tunnel fertiggestellt ist, werden viele dieser Arbeitsplätze wieder verschwinden.

Längerfristige Effekte zeigen sich insbesondere in:

  • Hotel und Gastronomie: +1.626 Beschäftigte (+44 %)

  • Sicherheits- und Reinigungsdienste: +195 Beschäftigte (+10 %)

  • Industrie: +78 Beschäftigte (+4 %)

  • Transport: +25 Beschäftigte (+2 %)

Die Perspektive ist, dass Tourismus, Dienstleistung und Industrie die Branchen sein könnten, die die Beschäftigung stützen, wenn der Bau zurückgeht.

Auch andere Dienstleistungsbranchen spüren den Aufschwung. Die Wach- und Reinigungsbranche hat einen Anstieg von 195 Personen verzeichnet - von 2.001 auf 2.196 Beschäftigte - was knapp zehn Prozent entspricht. Das spiegelt wider, dass mehr Arbeitsplätze und mehr Menschen in der Region mehr Servicefunktionen erfordern, egal ob auf der Baustelle, in Unternehmen oder in Hotels und Restaurants.

Kleine Schritte in Industrie und Transport

Die Industrie hat sich weniger dynamisch entwickelt als die anderen Branchen. Von 2016 bis heute ist die Zahl der Beschäftigten von 2.105 auf 2.183 gestiegen - ein Zuwachs von 78 Personen, was knapp vier Prozent entspricht. Das mag bescheiden erscheinen, aber gerade die Arbeitsplätze in der Industrie sind oft dauerhafter als im Baugewerbe. Gleichzeitig befinden sich hier viele Zulieferer für die Fehmarn-Verbindung. Die Produktion von Materialien, Komponenten und technischen Lösungen kann dazu beitragen, der Industrie einen nachhaltigeren Aufschwung zu verleihen, der über die Bauphase hinausreicht.

Die Transportbranche hat einen noch geringeren Zuwachs erlebt, von 1.515 auf 1.540 Beschäftigte - nur 25 mehr. Hier ist das Bild stabil, aber es gibt immer noch einen indirekten Effekt von Fehmarn, da sowohl Materialien, Maschinen als auch Mitarbeiter bewegt werden müssen. Wenn der Tunnel fertiggestellt ist, könnte die Branche langfristig zu den Gewinnern gehören, da die Verbindung einen schnelleren Zugang zum deutschen Markt bietet und die Güterströme zwischen Skandinavien und Mitteleuropa verändert.

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