Signe Munk tritt wegen Stress als Ministerin zurück. Sie sollte die Ruhe bekommen, die sie braucht, um wieder gesund zu werden.
Ihre Nachfolgerin Karina Lorentzen Dehnhardt (SF) übernimmt derweil eine Aufgabe, die weit über die Baustelle in Rødbyhavn hinausgeht.
Als Ministerin für Städte, ländliche Räume und Verkehr trägt Karina Lorentzen auch die koordinierende Verantwortung für die Politik des ländlichen Raums sowie für die Rahmenbedingungen der räumlichen Planung.
Deshalb liegt es nahe, dass sie die Initiative ergreift und die verschiedenen Anstrengungen rund um die Fehmarn-Verbindung zusammenführt. Verkehr, Gewerbeflächen und die Entwicklung der lokalen Gemeinden müssen zusammengedacht werden.
Die Entwicklung stockt
Thomas Becker, Direktor der politischen und grenzüberschreitenden Mitgliederorganisation STRING, gehört zu denen, die einen übergreifenden Entwicklungsplan vermissen, der zeigt, wie die Chancen der Verbindung auf beiden Seiten des Fehmarnbelts genutzt werden können.
- Weder der dänische noch der deutsche Staat waren wachsam genug. Die Gebiete nördlich und südlich von Fehmarn haben schon heute Wachstumsprobleme, und die Verbindung sollte ein Anlass sein, etwas dagegen zu unternehmen. Doch die Arbeit kommt schlicht nicht voran, sagte er bereits zuvor gegenüber FemernBusiness.
Auf Lolland-Falster und in Südseeland gibt es Pläne für Industrieparks, Kraftstoffproduktion, Rechenzentren und neue Arbeitsplätze, um nur einige Beispiele zu nennen. Es werden Konzepte entwickelt und Unternehmen umworben – doch wie sorgen wir dafür, dass alle Teile zusammenpassen?
Ein Baugrundstück allein reicht nicht, wenn ein Unternehmen anschließend auf Strom, Straßenanbindung oder die Arbeitskräfte warten muss, die für die Produktion benötigt werden.
Was – und wann
Die Ministerin sollte deshalb ihre Ministerkollegen, die Kommunen und die Wirtschaft an einen Tisch bringen, um einen gemeinsamen Fahrplan für die Jahre bis zur Eröffnung zu entwickeln. Sie kann diese Aufgabe nicht allein bewältigen. Aber sie kann Verantwortung dafür übernehmen, dass sich die Beteiligten darauf verständigen, was angestoßen werden kann, welche Hindernisse beseitigt werden müssen und wer dafür zuständig ist.
Was kann realistisch noch in diesem Jahr, im nächsten Jahr und in den Jahren danach begonnen werden? Wann können sich die ersten Unternehmen im Industriepark in Rødbyhavn ansiedeln? Welche Fragen zu Stromversorgung und Erreichbarkeit sind dort und an anderen Standorten auf Lolland-Falster und in Südseeland noch offen? Wer muss die Antworten liefern – und bis wann?
Genau diese Informationen brauchen Unternehmen, um planen zu können. Manfred Braatz, Teamleiter für Wirtschaftsförderung bei der Industrie- und Handelskammer zu Lübeck, hat FemernBusiness bereits zuvor erklärt, dass die wiederholten Verzögerungen es den Unternehmen erschweren, ihre Investitionen zu planen. Ohne diese Investitionen kommen wir über Absichtserklärungen nicht hinaus.
Die Jahre bis zur Eröffnung des Tunnels sollten genutzt werden, um Unternehmen und Arbeitskräfte anzuziehen und mehr Menschen dazu zu bewegen, sich auf Lolland-Falster und in Südseeland niederzulassen.
Andernfalls riskieren wir, mit einer fertigen Verbindung dazustehen, während die Region noch immer darauf wartet, für die neuen Möglichkeiten bereit zu sein.