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Konflikt kann große Konsequenzen für das Femern-Projekt haben

Laut Seniorforscher Kim Haugbølle ist die Milliardenforderung des Unternehmers nicht nur eine Frage des Geldes - sondern auch des Verantwortungsbewusstseins und der Prinzipien.

Foto: Femern A/S
Veröffentlicht

Das Femern-Projekt steht mitten in einem großen Konflikt, nachdem der Auftragnehmer Femern Link Contractors (FLC) eine Forderung von 1,95 Milliarden Euro gegen Femern A/S erhoben hat. Die Forderung, die etwa 14,5 Milliarden Kronen entspricht, betrifft den Zugang des Auftragnehmers zur Tunnelrinne im Fehmarnbelt und fügt sich in eine Reihe von Konflikten ein, die das Projekt zunehmend prägen.

Laut Kim Haugbølle, Seniorforscher am Institut für Bauwesen, Stadt und Umwelt der Universität Aalborg, ist es wichtig zu verstehen, wie eine so große Forderung entsteht.

- Hinter der Forderung stehen Berechnungen zur Miete von Ausrüstung, Abschreibungen auf die eigene Ausrüstung und Löhne für Mitarbeiter. Und das summiert sich schnell, aber nur weil man eine Forderung von 14,5 Milliarden Kronen stellt, bedeutet das nicht, dass man sie auch erhält.

Die Forderung ist ein Ausdruck wachsender Spannungen

Die Forderung wurde im Zusammenhang mit der sogenannten VO-058 erhoben - einer Anweisung, die die Voraussetzungen für die Arbeit auf See ändert und eine langanhaltende Uneinigkeit zwischen Auftragnehmer und Bauherrn ausgelöst hat. Der Streit dreht sich letztlich darum, ob der Auftragnehmer den Zugang zur Tunnelrinne hatte, den der Vertrag voraussetzt.

Seniorforscher Kim Haugbølle

Der Fall kommt zu anderen Uneinigkeiten über sowohl Wirtschaft als auch Zeitplan hinzu und zeigt, dass die Zusammenarbeit zwischen den Parteien schwieriger geworden ist, je weiter der Bau voranschreitet.

Schiedsgericht könnte der nächste Schritt sein

Wenn der Konflikt nicht gelöst wird, könnte der Fall vor einem Schiedsgericht enden, ähnlich wie ein früherer Fall von Coronaverzögerungen, bei dem der Unternehmer 77 Millionen Euro forderte. Dieser Fall wird derzeit vor einem internationalen Schiedsgericht verhandelt.

- Wenn man sich nicht einigt, endet es wahrscheinlich letztendlich in einem Schiedsgericht. Das ist in der Regel schneller als ein Gerichtsverfahren, aber es dauert immer noch lange und kostet wirklich viel Geld.

Kim Haugbølle weist darauf hin, dass Schiedsverfahren in Fällen dieser Größenordnung selten ein schneller oder unkomplizierter Prozess sind. Es stehen große Summen und viele prinzipielle Fragen auf dem Spiel, und beide Parteien haben starke Interessen am Ausgang.

Ein Kampf um Verantwortung und Rechte

Obwohl der Konflikt um viele Milliarden Kronen geht, ist er laut Kim Haugbølle auch eine Frage der Auslegung von Verträgen und Verantwortung.

- Der Konflikt ist ein Ausdruck von zwei Parteien, die mit Zähnen und Klauen darum kämpfen, was sie für richtig und angemessen während des Baus halten. Für sowohl Bauherr als auch Unternehmer geht es darum, herauszufinden, wann man Anspruch auf Entschädigung hat.

Der Staat hat eine besondere Verantwortung

Das Femern-Projekt wird vom Staat finanziert, und das bedeutet, dass Femern A/S nicht so frei agieren kann wie ein privater Bauherr. Das Budget beträgt 55,1 Milliarden Kronen, aber das sind Preise von 2015. Heute ist es auf etwa 67 Milliarden Kronen aufgeschrieben. 

Wo ein privater Akteur in einigen Fällen einen Kompromiss eingehen kann, um langwierige Konflikte zu vermeiden, ist der Staat an eine andere Verantwortung gebunden.

- Der Staat kann grundsätzlich keine Lösungen schaffen, bei denen man halbe Sachen macht. Sie müssen auf das Geld der Steuerzahler achten und können gezwungen sein, solche Fälle weiter zu verfolgen, als es vielleicht sinnvoll erscheint.

Risiko für große Konsequenzen

Wenn der Konflikt andauert, kann er große Konsequenzen sowohl für den Zeitplan als auch für die Zusammenarbeit haben. Das Projekt hat bereits Herausforderungen an mehreren Fronten, und das erhöht den Druck weiter.

- Im schlimmsten Fall muss man den Bauunternehmer wechseln, aber das ist sehr teuer und wird zu weiteren Verzögerungen führen, sagt Kim Haugbølle.

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