Die Gasleitung zwischen Seeland und Lolland-Falster ist seit Herbst 2024 fertiggestellt. Das Projekt kostete anderthalb Milliarden Kronen und sollte lokale und CO₂-ausstoßende Unternehmen mit klimafreundlicher Energie versorgen.
Doch die Realität sah anders aus. Nur ein Unternehmen - Nordic Sugar - hat sich angeschlossen. Der Rest ist abgesprungen, nachdem sich der Preis für den Anschluss vervierfacht hat. Dies wurde sowohl von Unternehmen als auch von Politikern kritisiert und hat zu Fragen im Folketing geführt. Klima-, Energie- und Versorgungsminister Lars Aagaard (M) hat nun geantwortet - jedoch ohne Änderungen vorzuschlagen.
Evida und Energinet
Evida ist ein staatliches Unternehmen, das das gesamte Gasverteilnetz Dänemarks besitzt und betreibt. Das bedeutet die Rohre, die Gas zu Unternehmen und privaten Haushalten führen. Evida ist verantwortlich für Anschlüsse, Wartung und Ausbau der Gasinfrastruktur - einschließlich der Gasleitung nach Lolland-Falster.
Energinet ist ein unabhängiges öffentliches Unternehmen, das das übergeordnete Übertragungsnetz für Strom und Gas in Dänemark besitzt und betreibt. Energinet sorgt dafür, dass Energie im ganzen Land - und zwischen Dänemark und dem Ausland - transportiert wird.
Minister verweist auf Evida
In seinen Antworten betont der Minister, dass die Entscheidung über die Gasleitung vor seiner Zeit getroffen wurde. Er legt die Verantwortung für die wirtschaftlichen Bedingungen bei Evida - dem staatlichen Gasverteiler - und verweist auf die Handhabung der Anschlusskosten und des Zahlungsmodells durch das Unternehmen. Der Minister weist zudem darauf hin, dass Vereinbarungen mit zwei Biogasanlagen getroffen wurden und dass Evida im Dialog mit mehreren potenziellen Kunden steht. Wie konkret das Interesse ist, bleibt unklar.
„Tief frustrierend“
Dina Raabjerg, Energiepolitische Sprecherin der Konservativen, hat die Fragen an den Minister gestellt. Sie nennt die Antworten enttäuschend.
- Ich bin nicht beeindruckt von den Antworten, die gekommen sind. Es ist zutiefst frustrierend, dass wir diese Investitionen tätigen, um den grünen Wandel zu stärken und den Energiebedarf der Unternehmen zu unterstützen, und dass dann so wenig Interesse besteht, diese Unternehmen anzuschließen, sagt sie.
Ausgehend von seinen Zweifeln, ob der Minister die Probleme versteht:
- Ich kann durchaus bezweifeln, ob der Minister sich darüber im Klaren ist, dass es sich um stark CO₂-emittierende Unternehmen handelt, die nicht angeschlossen werden, und dass dies ein Problem für den grünen Wandel darstellt.
Unternehmen sprangen ab
Mehrere lokale Unternehmen - darunter Metalcolour, Hardi, Raaco und Maribo Asfaltfabrik - waren bereit, sich an die Gasleitung anzuschließen. Und mehrere hatten Verträge darüber unterzeichnet. Als die Entscheidung über die Gasleitung getroffen wurde, lautete die Mitteilung von Evida, dass die Anschlusskosten erschwinglich sein würden - allerdings mit Vorbehalt. Die Preise waren mit Unsicherheiten behaftet und abhängig von sowohl technischen Bedingungen als auch davon, wie viele Unternehmen gleichzeitig angeschlossen werden konnten.
Im Jahr 2023 änderte Evida die Bedingungen für den Anschluss. Die Preise wurden erhöht, und gleichzeitig wurde das Zahlungsmodell geändert. Laut Evida war dies notwendig, um ein stabiles und wirtschaftlich nachhaltiges Gassystem zu gewährleisten.
Die Konsequenz war jedoch, dass sich keine neuen Unternehmen bereit erklärt haben. Und das hat auch einen Klimapreis. Die Unternehmen, die sich anschließen wollten, taten dies gerade, um ihre CO₂-Emissionen zu reduzieren. Stattdessen nutzen sie weiterhin ihre aktuellen Energiequellen - die insgesamt mehr CO₂ ausstoßen als Gas aus dem dänischen Netz, das heute zu fast 40 Prozent aus Biogas besteht. Mit Zugang zur Gasleitung hätten die Unternehmen eine echte Möglichkeit gehabt, auf eine Energiequelle mit geringerer Klimabelastung umzusteigen.
'Das sollte man besser machen können'
Der Klima-, Energie- und Versorgungsausschuss hat den Minister auch gebeten, sich zur wirtschaftlichen Nachhaltigkeit des Projekts zu äußern. Die Frage lautete, welche Konsequenzen es für die ursprüngliche Business Case hat, wenn die Gasleitung nur von Nordic Sugar genutzt wird. In seiner Antwort verweist Lars Aagaard sowohl auf Evida als auch auf Energinet, die einschätzen, dass dies keine nennenswerte Bedeutung für den Gasmarkt insgesamt haben wird. Laut Energinet entspricht die ungenutzte Kapazität etwa 0,3 Prozent der Gesamtmenge im dänischen Übertragungsnetz.
Aber für die Konservativen geht es in der Angelegenheit nicht nur um Wirtschaft im engen Sinne. Es geht auch um politische Glaubwürdigkeit und Verantwortlichkeit in den Entscheidungsprozessen.
- Ich habe eine allgemeine Frustration darüber, dass alles am Ende vier- bis fünfmal so teuer wird, weil die Voraussetzungen in den Projekten, die genehmigt werden, ständig wegbrechen. Das können wir politisch nicht dauerhaft aushalten. Das sollte man besser machen können, sagt Energiepolitische Sprecherin Dina Raabjerg.