Sund & Bælt hat dem Hauptauftragnehmer Femern Link Contractors eine zusätzliche Zahlung geleistet, um den ersten Abschnitt des Tunnelgrabens unter dem Fehmarnbelt vorzubereiten. Die Vereinbarung betrifft die ersten 650 Meter des 18 Kilometer langen Grabens, in den die 89 Tunnelelemente abgesenkt werden sollen.
Die Zahlung wurde von Mikkel Hemmingsen, dem Vorstandsvorsitzenden von Sund & Bælt, in einem Interview mit der dänischen Fachzeitschrift Ingeniøren bestätigt.
„Wir haben mit FLC eine Einigung erzielt, dass wir mehr bezahlen, damit der Tunnelgraben für die erste Absenkung vorbereitet wird“, sagte Hemmingsen gegenüber Ingeniøren.
FemernBusiness hat erfahren, dass die Vorbereitung des Tunnelgrabens auf Stundenbasis erfolgt ist. Das bedeutet, dass die endgültige Rechnung vom tatsächlichen Zeitaufwand, dem eingesetzten Gerät und dem Personal abhängt und nicht von einem vorab vereinbarten Festpreis. Arbeiten auf Stundenbasis können für den Bauherrn teuer werden, weil das finanzielle Risiko zusätzlicher Zeit und zusätzlicher Arbeiten in stärkerem Maße bei der zahlenden Partei liegt.
Zahlung übersteigt erhaltene Entschädigung
Der Tunnelgraben ist seit Monaten einer der umstrittensten Punkte im Fehmarnbelt-Projekt. Er wurde vom niederländischen Konsortium Femern Belt Contractors, FBC, ausgehoben und später von Femern A/S unter Sund & Bælt abgenommen. Seither hat der Hauptauftragnehmer FLC es abgelehnt, den Graben zu genehmigen und zu übernehmen.
FemernBusiness hatte zuvor berichtet, dass FBC eine Entschädigung gezahlt hat, weil Teile des Grabens zu tief ausgehoben worden waren. Diese Entschädigung deckt jedoch nicht die zusätzliche Zahlung ab, die Sund & Bælt nun an FLC leistet, um das Projekt voranzubringen.
Das geht aus dem Interview von Ingeniøren mit Hemmingsen hervor.
Auf die Frage, ob die von FBC gezahlte Entschädigung dem Betrag entspreche, den Sund & Bælt nun an FLC zahlt, antwortete Hemmingsen:
„Nein.“
Als Ingeniøren fragte, ob FLC also etwas mehr bekomme, lautete seine Antwort:
„Viel mehr.“
Hemmingsen wies jedoch zurück, dass sich die Vereinbarung für die ersten 650 Meter auf Milliardenbeträge belaufe. Gegenüber Ingeniøren sagte er, der Betrag sei „wesentlich niedriger“, fügte jedoch hinzu, dass Sund & Bælt sich grundsätzlich nicht zu den finanziellen Bedingungen seiner Verträge äußere.
Damit befindet sich Sund & Bælt in der Lage, zunächst eine Entschädigung vom Aushubunternehmer für Mängel am Graben erhalten zu haben und nun einen höheren Betrag an den Hauptauftragnehmer zu zahlen, um denselben Graben nutzbar zu machen.
Der Rest bleibt ungeklärt
Die Vereinbarung löst nur den ersten Teil des Problems. Die ersten 650 Meter entsprechen ungefähr dem Abschnitt, in dem die ersten drei Tunnelelemente abgesenkt werden sollen. Der verbleibende Teil des 18 Kilometer langen Grabens ist weiterhin Gegenstand von Verhandlungen.
Nach Angaben von Hemmingsen arbeiten die Parteien nun an einer Vereinbarung für den gesamten Graben.
Damit bleibt der wirtschaftliche Streit über den restlichen Tunnelgraben ungelöst. Die Verhandlungen müssen sowohl den Zustand des Grabens als auch die zusätzlichen Anforderungen berücksichtigen, die sich aus der deutschen Planfeststellung für das Projekt ergeben.
FemernBusiness hatte zuvor berichtet, dass FLCs eigene Messungen zeigten, dass Teile des Tunnelgrabens deutlich tiefer ausgehoben worden waren als die 30 Zentimeter, auf die Sund & Bælt öffentlich verwiesen hatte. In den ersten Abschnitten vor der Küste Lollands zeigten die Messungen des Auftragnehmers örtliche Abweichungen von bis zu 1,8 Metern.
Hemmingsen hält im Interview mit Ingeniøren daran fest, dass Sund & Bælt keine Überbaggerung von mehr als 30 bis 40 Zentimetern festgestellt habe. Zugleich erkennt er an, dass es im Graben tiefere Löcher gibt.
Die zusätzliche Zahlung an FLC bedeutet, dass der Streit um den Tunnelgraben nun auch eine direkte finanzielle Dimension für den staatlichen Bauherrn hat.