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Akteneinsicht enthüllt: Es gab einen konkreten Plan für die erste Absenkung

Mailaustausch zeigt engen Dialog zwischen dem Verkehrsministerium und der französischen Botschaft über ganz konkrete Details im Bauzeitplan.

Das Ivy-Fahrzeug, das noch auf die endgültige Genehmigung wartet. Foto: Sund & Bælt
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Bis zum 4. Dezember 2025 war geplant, dass das erste Tunnelelement des Femern-Baus in diesen Tagen abgesenkt werden sollte.

Dies geht aus einem Mailaustausch zwischen der französischen Botschaft und dem Verkehrsministerium hervor. Der wirtschaftliche Berater der Botschaft, Matthieu Garrigue-Guyonnaud, schreibt an den Abteilungsleiter des Verkehrsministeriums, Flemming Schiller, dass er hofft, das nächste Treffen könne auf der Baustelle stattfinden, damit man der „Absenkung des ersten Elements im nächsten Februar“ beiwohnen könne.

Die Mail ist Teil einer Korrespondenz, in der der französische Botschafter um ein Treffen mit Verkehrsminister Thomas Danielsen bittet. Hintergrund sind Probleme für den französischen Bauunternehmer Vinci, das größte Unternehmen im Konsortium hinter dem Tunnelbau. Die Botschaft schreibt, dass die schlechte Zusammenarbeit mit Sund & Bælt bereits die Arbeit beeinträchtigt.

Die Absenkung des ersten Tunnelelements ist zentral für das gesamte Bauvorhaben. Es ist der Startschuss für die komplexeste und entscheidende Phase des gesamten Projekts und hätte vor zwei Jahren stattfinden sollen. Hier sollen die 217 Meter langen und über 70.000 Tonnen schweren Betonelemente in den ausgehobenen Graben auf dem Meeresboden abgesenkt und zu dem eigentlichen Tunnel verbunden werden.

Ein Bauvorhaben, das von speziellen Fahrzeugen abhängt 

Die Absenkung kann nur mit speziell gebauten Fahrzeugen durchgeführt werden. Für das Femern-Projekt wurden zwei große Pontons, Ivy 1 und Ivy 2, konstruiert, die die Tunnelelemente transportieren und halten sollen, während sie mit großer Präzision an Ort und Stelle abgesenkt werden.

Die fahrzeuge sind speziell für das projekt gebaut und können nicht durch gewöhnliche schiffe ersetzt werden. Sie sind daher eine voraussetzung dafür, dass die absenkung überhaupt stattfinden kann.

Aber die ivy-fahrzeuge haben seit ihrer lieferung im herbst 2024 probleme, die notwendigen genehmigungen zu erhalten. Deshalb dreht sich der mailaustausch auch darum, wann die absenkung beginnen kann. Doch wenige wochen nach der februar-erwartung im thread kommt eine nachricht, die die voraussetzung ändert.

"Schau mal hoch"

Wenige wochen nach der mail über den februar-plan kommt eine neue nachricht.

In einer mail an flemming schiller schreibt matthieu garrigue-guyonnaud, dass die maritimen behörden am 4. dezember das vorläufige fahrzertifikat des fahrzeugs entzogen und es zurückgehalten haben.

Er bezeichnet den verlauf als ein neues kapitel in dem, was er die „pontoon boat saga“ nennt, und schreibt, dass die gründe laut angaben geringfügig sein sollen, er aber die details nicht kennt.

Der mailaustausch zeigt gleichzeitig, wie eng die koordination zwischen dem transportministerium und der französischen botschaft war. Garrigue-guyonnaud fragt in der mail, ob das ministerium die gleiche information hat und ob das ministerium weiß, wie die situation gelöst werden kann. Schiller leitet die information dann intern an beamte im straßen- und brückenbüro des transportministeriums mit der nachricht „schau mal hoch zu diesem“ weiter, was den eindruck hinterlässt, dass das ministerium zu diesem zeitpunkt die information nicht kannte und sie erst untersuchen musste.

Die Konsequenz ist jedoch klar. Wenn ein Fahrzeug sein vorläufiges Zertifikat verliert und von den Behörden festgehalten wird, kann es nicht für die Operation verwendet werden, für die es gebaut wurde.

Damit entfällt die Voraussetzung für eine Absenkung im Februar.

Konflikte unter der Oberfläche 

Der Verlauf mit dem Fahrzeug fällt in eine Zeit, in der das Femern-Projekt bereits von wachsenden Meinungsverschiedenheiten geprägt ist.

Der Bauherr Sund & Bælt und der Hauptauftragnehmer Femern Link Contractors stehen in Konflikt über den Zeitplan, die Qualität der Tunnelrinne und die Verantwortung für die Verzögerungen beim Bau. Femern Link Contractors hat eine Forderung von 14,5 Milliarden Kronen erhoben, und gleichzeitig läuft ein internationales Schiedsverfahren wegen Verzögerungen aufgrund von Corona.

Am 21. Januar wurde bekannt gegeben, dass die erste Absenkung im Laufe des Frühlings 2026 erfolgen wird.

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