Warum die Zuckerfabrik in Nakskov das Nachsehen hatte

Die Einstellung der Produktion in Nakskov durch Nordic Sugar muss im größeren europäischen Zusammenhang gesehen werden. Niedrige Preise und Überkapazitäten zwingen die Hersteller dazu, Werke zu schließen und die Produktion auf weniger Standorte zu konzentrieren.

Nakskov Sukkerfabrik. Arkivfoto: Anders Knudsen
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Über der mehr als 140 Jahre alten Zuckerfabrik in Nakskov haben sich dunkle Wolken zusammengezogen. Nachdem Nordic Sugar angekündigt hat, die Produktion in der Stadt einzustellen, soll der Standort künftig als Verpackungs- und Vertriebszentrum weitergeführt werden, während die Zuckerproduktion nach Nykøbing verlagert wird.

Damit neigt sich die Zuckerproduktion auf Lolland ihrem Ende zu. Nykøbing wird künftig der einzige Ort auf Lolland-Falster sein, an dem weiterhin Zucker produziert wird.

Die Schließung folgt auf ein historisch schlechtes Geschäftsjahr des deutschen Nordzucker-Konzerns, zu dem Nordic Sugar gehört. Das operative Ergebnis lag bei minus 226 Mio. Euro, umgerechnet knapp 1,7 Mrd. DKK, nach einem Plus von 100,5 Mio. Euro im Vorjahr. Im Ergebnis enthalten sind zwar negative Sondereffekte von rund 160 Mio. Euro in Europa, doch Nordzucker selbst bezeichnet das Resultat als historisch niedrig.

Der Jahresabschluss erzählt allerdings nur einen Teil der Geschichte.

Denn der gesamte europäische Zuckermarkt steht unter Druck. Zwei ungewöhnlich gute Ernten in Folge haben unter anderem zu einem erheblichen Überangebot geführt, die Lagerbestände wachsen lassen und die Preise deutlich gedrückt. Nach Angaben der EU-Kommission ist der durchschnittliche Preis für Weißzucker in der EU von 619 Euro je Tonne im Oktober 2024 auf 501 Euro im Juni dieses Jahres gefallen.

Druck vom Weltmarkt

Gleichzeitig kommt zusätzlicher Druck von außen. Hohe Produktionsmengen auf dem Weltmarkt haben dazu beigetragen, die internationalen Zuckerpreise zu drücken, während die EU weiterhin erhebliche Mengen Zucker importiert. Nordzucker selbst nennt die niedrigeren Weltmarktpreise als einen Faktor, der den Druck auf den europäischen Markt zusätzlich verstärkt hat.

Nach der jüngsten Schätzung der EU-Kommission werden die Zuckerimporte der EU im Wirtschaftsjahr 2025/26 insgesamt rund 1,73 Mio. Tonnen erreichen. Zum Vergleich: Die eigene Produktion der EU soll bei rund 16,58 Mio. Tonnen liegen, während der Verbrauch auf etwa 13,45 Mio. Tonnen geschätzt wird.

Ein Teil des importierten Zuckers kann zudem zu besonderen Zollkonditionen auf den europäischen Markt gelangen. Noch im April griff die EU-Kommission bei einer Regelung ein, nach der Rohzucker zollfrei in die EU eingeführt, dort raffiniert und anschließend wieder exportiert werden konnte. Die Kommission begründete den Schritt ausdrücklich damit, den europäischen Zuckermarkt zu entlasten und für ein besseres Gleichgewicht zu sorgen.

All das geschieht zu einem Zeitpunkt, an dem auch die Lagerbestände deutlich gestiegen sind. Die EU-Kommission erwartet, dass die Zuckerbestände – also Zucker, der bereits produziert, aber noch nicht verkauft oder verbraucht wurde – zum Ende des Wirtschaftsjahres 2025/26 rund 3,06 Mio. Tonnen erreichen. Im Jahr zuvor waren es 2,3 Mio. Tonnen.

Damit entsteht eine Situation, in der die Erträge sinken und gleichzeitig mehr Produktionskapazität vorhanden ist, als der Markt aufnehmen kann. Die einzelnen Werke werden dadurch zwangsläufig stärker miteinander verglichen – und Nakskov stand dabei vergleichsweise schwach da.

Als Nordzucker seine Werke überprüfte, identifizierte der Konzern Nakskov als den Standort, bei dem eine Schließung den größten Effekt haben würde. Ein entscheidender Grund war nach Angaben des Unternehmens, dass das Werk in Nakskov deutlich höhere Investitionen benötigen würde als die übrigen Werke des Konzerns, um langfristig effizient und rentabel betrieben werden zu können.

Das schlechte Konzernergebnis und die niedrigen Zuckerpreise erklären daher für sich genommen nicht, warum ausgerechnet Nakskov ausgewählt wurde. Sie erklären aber, warum Nordzucker sein Produktionsnetz überhaupt verkleinert. In diesem Prozess wurde der hohe Investitionsbedarf in Nakskov zum entscheidenden Faktor.

Nakskov ist kein Einzelfall

Nach Angaben der europäischen Branchenorganisationen CEFS und CIBE wurden seit der Kampagne 2024/25 fünf Rübenzuckerfabriken geschlossen. Seit der Abschaffung der Zuckerquoten im Jahr 2017 sind in der EU insgesamt 20 Werke verschwunden.

In Spanien hat Azucarera seine Produktion wegen dauerhaft niedriger europäischer Zuckerpreise und strukturell zu hoher Kosten auf weniger Standorte konzentriert. Das Unternehmen hat seine Rübenzuckerproduktion von drei Werken auf eines reduziert.

Auch AGRANA hat Zuckerfabriken in Österreich und Tschechien geschlossen. Als Gründe für die Konzentration der Produktion auf weniger Werke nennt das Unternehmen unter anderem niedrige Verkaufspreise, steigende Produktionskosten und einen sinkenden Zuckerverbrauch.

Nordzucker hat ähnliche Schritte bereits an anderen Standorten des Konzerns eingeleitet. In der Slowakei wurde die Zuckerproduktion eingestellt, während der Standort als Handels- und Logistikzentrum weitergeführt wird. In Finnland stellt eine Tochtergesellschaft zudem die Raffination von Rohzucker an einem ihrer Standorte ein.

Die Geschichte vom Ende der Zuckerproduktion in Nakskov ist damit nicht allein die Geschichte eines schlechten Geschäftsjahres. Sie ist auch die Geschichte eines unter Druck stehenden Konzerns und eines Marktes mit zu viel Zucker, zu viel Produktionskapazität und niedrigen Preisen.

Und in dieser Rechnung war Nakskov der Standort, der das Nachsehen hatte.

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