Sund & Bælt annulliert nun die Ausschreibung der Eisenbahn im Fehmarnbelt-Tunnel, ein Vertrag mit einem erwarteten Angebotspreis von etwa 1,5 Milliarden DKK. Die Entscheidung kommt nach mindestens zwei Jahren Verzögerung beim Tunnelbau und bedeutet, dass die Arbeiten zur Vorbereitung der Verbindung für den Zugbetrieb verschoben werden.
Die Ausschreibung, genannt TTC-Vertrag, umfasst eine 25 Kilometer lange zweigleisige Eisenbahn mit 200 km/h und Oberleitungsanlagen. Etwa 18 Kilometer liegen im Tunnel selbst zwischen Rødbyhavn und Puttgarden, während der Rest auf dänischer und deutscher Seite liegt.
Der Vertrag wurde als das letzte große Bauvorhaben des Projekts und als technische Grundlage dafür eingeführt, dass elektrische Passagier- und Güterzüge direkt zwischen Skandinavien und dem europäischen Eisenbahnnetz fahren können.
Das französisch-österreichische Eisenbahnkonsortium TSO-Swietelsky war als bevorzugter Bieter ausgewählt worden, also diejenigen, die das beste Angebot abgegeben hatten.
Verzögerungen in Dänemark und Unsicherheit in Deutschland
Die Annullierung erfolgt, weil der eigentliche Tunnelbau verzögert ist. Der Fehmarnbelt-Tunnel liegt vorläufig mindestens zwei Jahre hinter dem ursprünglichen Zeitplan. Aber selbst wenn der Tunnel fertig wäre, ist der Zugbetrieb nicht nur eine dänische Angelegenheit.
Auf deutscher Seite hängt die vollständige Eisenbahnverbindung von einem neuen Fehmarnsund-Tunnel zwischen Fehmarn und dem deutschen Festland ab. Dieser soll die derzeitige Fehmarnsundbrücke für den Eisenbahnverkehr ersetzen. Das Projekt war von behördlichen Prozessen und fehlenden Baugenehmigungen geprägt und kann frühestens 2032 fertiggestellt werden.
Vier waren ausgewählt
Insgesamt hatten sich neun große Konsortien um die Präqualifikation für die Ausschreibung beworben. Davon wurden vier für den weiteren Verlauf ausgewählt:
- PORR (Österreich, Deutschland)
- Bestes Angebot: TSO - Swietelsky (Frankreich, Österreich)
- Aarsleff Rail - Rhomberg (Dänemark, Österreich)
- ACSA - Cobra (Spanien)
Das bedeutet, dass selbst wenn der Fehmarnbelt-Tunnel technisch gesehen eröffnet werden könnte, der Zugverkehr durch die Verhältnisse südlich der Grenze eingeschränkt werden kann.
Straße kann vor Zug kommen
Als der Eisenbahnvertrag ausgeschrieben wurde, wurde er als zentraler Beitrag zur grünen Umstellung mit sieben Minuten Reisezeit durch den Tunnel und einer Einsparung von etwa 160 Kilometern im Vergleich zur Route über den Großen Belt hervorgehoben.
Mit der Annullierung ist der geplante Zeitplan gebrochen. Sund & Bælt gibt an, dass erst ein neuer Gesamtzeitplan erstellt wird, wenn die ersten Tunnelelemente abgesenkt sind.
Die Entscheidung erhöht damit die Wahrscheinlichkeit eines Szenarios, in dem der Autoverkehr vor dem Zugbetrieb beginnen kann. Der Eisenbahnteil ist technisch von den Fahrbahnen getrennt und kann verschoben werden, ohne eine eventuelle Öffnung für Autos zu verhindern.