Zeigt eine Umfrage wirklich, wie wirtschaftsfreundlich eine Kommune ist?

Dänemarks Kommunen sind erneut auf ihre Wirtschaftsfreundlichkeit untersucht worden. Doch die Platzierungen in der Rangliste erzählen längst nicht die ganze Geschichte.

Dansk Industris hovedsæde i Industriens Hus på Københavns Rådhusplads.
Veröffentlicht

In den vergangenen Tagen ist die Frage nach der Wirtschaftsfreundlichkeit der dänischen Kommunen genauer unter die Lupe genommen worden – auch in dieser Publikation.

Ausgangspunkt der Debatte ist eine jährliche Untersuchung des dänischen Industrieverbands Dansk Industri (DI). Sie liefert ein zugleich sehr konkretes und etwas diffuses Bild davon, welche Kommunen auf dem Siegertreppchen landen und welche ganz hinten im Feld ins Ziel kommen, wenn Unternehmen ihre Erfahrungen mit den Bedingungen in ihrer Kommune bewerten.

Auf den ersten Blick kann die Rangliste wie eine eindeutige Antwort wirken. Schaut man etwas genauer hin, ähnelt sie jedoch eher einer Rechnung mit mehreren Unbekannten.

Der Fragebogen wurde an die eigenen Mitgliedsunternehmen von DI sowie an Nichtmitglieder aus den Branchen verschickt, die der Verband vertritt. Der Teil der Rangliste, der auf den Einschätzungen der Unternehmen basiert, spiegelt somit die Antworten derjenigen wider, die sich für eine Teilnahme entschieden haben.

Im Fall von Lolland sind das 50 Unternehmen. Aus der Untersuchung geht jedoch nicht hervor, wie sich diese nach Branchen oder Unternehmensgröße verteilen.

Was wird am stärksten gewichtet?

Gemessen an der Gesamtzahl der aktiven Unternehmen in den Kommunen Lolland, Guldborgsund und Vordingborg entspricht die Zahl der Antworten einem Anteil von 1,8 bis 2,4 Prozent. Das ist ein wichtiges Detail, wenn man liest, dass die Kommune Lolland auf Platz 82 abgestürzt ist, während Guldborgsund Rang 58 belegt.

Die Zahl der Antworten ist allerdings nur ein Teil der Rechnung. Die Untersuchung basiert auf 15 Fragen an Unternehmen und 26 statistischen Indikatoren. Antworten und Kennzahlen werden in vier Kategorien zusammengefasst, die jeweils mit 25 Prozent gewichtet werden – unabhängig davon, welche Themen die Unternehmen selbst für die wichtigsten Prioritäten der Kommune halten.

Ein weiterer Baustein im großen Puzzle der DI-Wirtschaftsfreundlichkeit ist, dass die Untersuchung keine Auskunft darüber gibt, ob in diesem Jahr dieselben Unternehmen geantwortet haben wie im Vorjahr. Angesichts der vergleichsweise geringen Zahl an Antworten wäre das durchaus relevant. Schon kleinere Veränderungen bei den Teilnehmern können Einfluss auf das Ergebnis haben, zumal die Abstände in der Rangliste teilweise äußerst gering sind. So liegen beispielsweise zwischen Stevns auf Platz 74 und Svendborg auf Platz 75 lediglich 0,0032 Punkte.

Deshalb lassen sich die Ergebnisse jedoch nicht einfach verwerfen. Ebenso wenig kann man daraus schließen, dass eine Platzierung am unteren oder oberen Ende der Rangliste allein auf diese Faktoren zurückzuführen ist. Große Veränderungen von einem Jahr zum nächsten sollten aber mit mehr Vorsicht gelesen werden, als die Rangliste auf den ersten Blick nahelegt.

Weder die Kommune noch DI oder wir Medien sollten den Leserinnen und Lesern den Eindruck vermitteln, dass Platz 82 allein beschreibt, wie es ist, auf Lolland ein Unternehmen zu führen. Hinter der scheinbaren Genauigkeit stehen methodische Entscheidungen, statistische Indikatoren – und lediglich 50 lokale Stimmen.

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