Ausländische Rüstungslieferanten haben derzeit noch offene Verpflichtungen zur industriellen Zusammenarbeit im Umfang von 30,2 Mrd. DKK. Diese müssen in den kommenden Jahren durch Kooperationen mit der dänischen Verteidigungsindustrie erfüllt werden.
Nach Einschätzung von Christoffer Husted Rasmussen, Partner bei EY, haben jedoch noch viel zu wenige dänische Unternehmen die Chancen dieses Marktes erkannt.
- Der Markt verändert sich von kurzfristigen Projektvereinbarungen hin zu langfristigen Partnerschaften. Im Moment ist das Feld noch unübersichtlich und ohne klaren Marktführer. Das wird nur so lange so bleiben, bis die ersten Unternehmen entschlossen vorangehen und sich die besten Kooperationen sichern. Wer die Chance jetzt nicht nutzt, muss möglicherweise lange warten, bis sich die Tür wieder öffnet, sagt er.
Auf Lolland-Falster versucht man bereits, sich in diesem Markt zu positionieren. Femern Belt Development und Business Lolland-Falster arbeiten derzeit gezielt daran, Verteidigungsunternehmen unter anderem für Rødbyhavn zu interessieren. Dort entsteht rund um die großen Flächen und Anlagen des Fehmarn-Projekts der Femern Port & Industrial Park.
- Wir sprechen mit vielen Akteuren aus der Verteidigungsindustrie über dieses Gebiet. Wir arbeiten sehr intensiv daran, gute Verteidigungsunternehmen für eine Ansiedlung im Raum Rødby und auch in Südseeland zu gewinnen, sagt Stig Rømer Winther, Geschäftsführer von Femern Belt Development.
Welche Unternehmen an den Gesprächen beteiligt sind oder ob einzelne Verhandlungen bereits so weit fortgeschritten sind, dass eine konkrete Ansiedlung zur Debatte steht, will er nicht sagen.
An den Ambitionen lässt er jedoch keinen Zweifel.
- Rødbyhavn bietet ganz einfach einzigartige Möglichkeiten für den Aufbau eines Verteidigungsindustrie-Clusters, und die Grundlagen sind bereits gelegt. Jetzt kommt es darauf an, unsere Karten richtig auszuspielen, sagt er.
Lage als Vorteil
Nach Einschätzung von Stig Rømer Winther hebt sich das Gebiet vor allem durch die Kombination aus bestehender Infrastruktur und seiner Lage abseits dichter Wohnbebauung hervor.
Rødbyhavn ist über Autobahn, Schiene und See erreichbar. Gleichzeitig hinterlässt das Fehmarn-Projekt nach Abschluss der derzeitigen Arbeiten große Produktionsanlagen, Trockendocks und Hafeninfrastruktur. Gerade die Entfernung zu Wohngebieten kann nach Einschätzung des FBD-Geschäftsführers ein Vorteil für Unternehmen einer Branche sein, in der Standortfragen und behördliche Anforderungen neue Ansiedlungen erschweren können.
- Wir haben hier ein Silber-Ei auf einem goldenen Tablett, denn dieses Gebiet bietet Möglichkeiten, die andere Standorte schlicht nicht haben, sagt Stig Rømer Winther.
Er verweist zugleich auf das geplante große Industriegebiet hinter der Tunnelelementfabrik, das unter die sogenannte Fast-Track-Regelung fällt. Ziel ist es, bessere Rahmenbedingungen für große Produktionsunternehmen zu schaffen, die andernfalls an Hürden bei Bebauungsplänen und anderen Genehmigungsverfahren stoßen könnten.
Tunnelelementfabrik könnte der nächste große Trumpf sein
Eine der zentralen Fragen ist, was mit den Anlagen des Fehmarn-Projekts geschehen soll, wenn die Produktion der Tunnelelemente endet.
Nach Angaben von Sund & Bælt soll die Produktion der Tunnelelemente nun bis Ende 2029 fortgesetzt werden. Wann die Anlagen danach für andere Zwecke freigegeben werden können, kann das Unternehmen bislang nicht sagen.
Gerade deshalb müssten politische Entscheidungsträger möglichst schnell handeln, meint Stig Rømer Winther.
- Wir haben jetzt die Chance, in einem Gebiet, das für diesen Zweck nahezu optimal ist, eine starke Verteidigungsindustrie aufzubauen. Es liegt nicht in unmittelbarer Nähe einer Stadt, ist aber gleichzeitig nah an allem, was die Branche braucht. Das müssen die Politiker erkennen und entsprechend handeln, sagt er.
Er warnt allerdings davor, mit schnellen Ansiedlungen zu rechnen. Als Beispiele nennt er die politischen Ambitionen für neue arktische Marineschiffe sowie den Prozess rund um die Munitionsproduktion in Dänemark. Seiner Einschätzung nach vergeht häufig viel Zeit zwischen politischer Absicht und konkreter Umsetzung.
Gelingt es jedoch, Verteidigungsproduktion nach Rødbyhavn zu holen, sieht er ein Potenzial, das weit über einzelne Fabriken hinausgeht.
- Unsere Verteidigungsindustrie bietet ein enormes Wachstumspotenzial, und das könnte für Universitäten, Forschung und die gesamte Industrie von großer Bedeutung sein, sagt Stig Rømer Winther.