Auf Lolland-Falster wird bereits gezielt daran gearbeitet, Verteidigungsunternehmen nach Rødbyhavn zu holen. Dort könnten große Flächen, Hafenanlagen und Produktionsanlagen aus dem Fehmarn-Projekt langfristig für neue Zwecke genutzt werden.
Das Potenzial könnte jedoch weit über Rødbyhavn und Norddeutschland hinausreichen, meint Can Özren, zuständig für Verteidigung und Sicherheit bei der Industrie- und Handelskammer zu Lübeck, IHK zu Lübeck.
- Wenn man das größere Bild betrachtet, kann die Fehmarnbelt-Region zu einem wichtigen Bindeglied zwischen den nordischen Ländern und der deutschen Industrie werden. Die nordischen und baltischen Staaten bauen ihre Verteidigungsfähigkeiten aus, Deutschland verfügt über eine große industrielle Basis, und eine engere Verbindung zwischen beiden Seiten kann stärkere Lieferketten und neue grenzüberschreitende Kooperationen schaffen.
Er weist darauf hin, dass die Verteidigungsindustrie zunehmend auf grenzüberschreitende Zusammenarbeit sowie auf den Zugang zu spezialisierten Zulieferern und Produktionskapazitäten angewiesen ist.
Die Fehmarn-Verbindung kann dazu beitragen, die nordische und die deutsche Industrie näher zusammenzubringen. Auf deutscher Seite besteht allerdings bereits eine starke Ausgangsposition.
- Schleswig-Holstein verfügt schon heute über eine starke industrielle Basis und Unternehmen mit konkreten Kompetenzen im Verteidigungsbereich. Das bedeutet, dass wir nicht bei null anfangen. Es gibt bereits ein Umfeld, Zulieferer und Know-how, auf denen neue Kooperationen aufbauen können, sagt Can Özren.
Damit steht Lolland-Falster zugleich nicht allein im Wettbewerb um die kommenden Investitionen. Femern Belt Development hat gegenüber FemernBusiness bereits früher auf Rødbyhavn als möglichen künftigen Standort für einen Verteidigungsindustrie-Cluster verwiesen. Große Flächen, Hafenanlagen und die Entfernung zu dichter Wohnbebauung könnten dabei Vorteile sein.
Doch weder die Verbindung noch die geografische Lage allein entscheiden darüber, wo neue Fabriken und Arbeitsplätze entstehen.
- Nicht der Tunnel allein entscheidet darüber, wo Unternehmen ihre Produktion ansiedeln. Sie betrachten das Gesamtpaket: geeignete Anlagen, qualifizierte Arbeitskräfte, Zugang zu Energie und die Produktionskosten. Genau dort entscheidet sich der Wettbewerb zwischen den Regionen, sagt Can Özren.
Fehmarn könnte Lolland-Falster damit zu einem Teil einer engeren verteidigungsindustriellen Verbindung zwischen den nordischen Ländern und Deutschland machen. Gleichzeitig könnte dieselbe Verbindung den Wettbewerb darum verschärfen, wo neue Investitionen und Arbeitsplätze letztlich entstehen.